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Lateinamerika

Krisen und Konflikte

Venezuela: Versorgung der Bevölkerung

Eine Frau und ihre Kinder stehen vor einem leeren KühlschrankDie Venezolanerin Leidy Cordova (37) und ihre Kinder vor dem leeren Kühlschrank. Caritas

Seit Jahren steht Venezuela kurz vor dem Bankrott. Misswirtschaft, Korruption, eine marode Industrie und die hohe Staatsverschuldung bei sinkendem Bruttoinlandsprodukt sorgen für eine Hyperinflation und massive Versorgungslücken. Lange Schlangen vor Lebensmittelgeschäften, leere Regale, ein fluktuierender Schwarzmarkt und verbreitete Kriminalität beherrschen das alltägliche Bild.

Blutige Proteste

Der Widerstand der Bevölkerung gegen das diktatorische Regime unter dem amtierenden Präsidenten Nicolás Maduro wächst, immer mehr Menschen gehen auf die Straße, um zu protestieren. Seit Anfang 2017 kommt es dabei zunehmend zu Ausschreitungen, bei denen mittlerweile mehr als 100 Menschen starben. Ende Juli 2017 spitzte sich die Lage mit der Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung nochmals zu. Maduro und seine Anhänger setzten sich bei der höchst umstrittenen Verfassungsänderung durch, die Opposition befürchtet nun eine endgültige Diktatur und einen Bürgerkrieg. Wie sich die Wahl auf das Land auswirkt, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar. Kritiker gehen jedoch davon aus, dass sie die internationale Isolation Venezuelas beschleunigt hat.

Kinder fallen vor Hunger in Ohnmacht

Unter der seit Jahren herrschenden Mangelwirtschaft im Land leiden insbesondere Kinder und alte Menschen: „Es kostet mittlerweile das Zehnfache eines venezolanischen Mindestlohnes, um sich mit den wichtigsten Lebensmitteln versorgen zu können“, berichtet Janeth Márquez, Direktorin von Caritas Venezuela. „Die Hälfte der Schüler besucht den Unterricht nicht mehr, weil sie nichts zu essen haben. Lehrer berichten uns, dass schlecht ernährte Kinder im Unterricht vor Hunger in Ohnmacht fallen.“

Flucht nach Kolumbien

Immer mehr Menschen suchen Schutz und Hilfe im benachbarten Kolumbien. Laut kolumbianischer Migrationsbehörde halten sich mehr als 350.000 nicht registrierte Venezolaner in Kolumbien auf, rund 500 Venezolaner sollen täglich ihre Heimat verlassen. Friedrich Kircher, Mitarbeiter der deutschen Caritas, berichtet nach einem Einsatz in der Region, dass selbst hochschwangere Venezolanerinnen über die Grenze flüchten, um in Kolumbien ihre Kinder zu bekommen.

Hinzu kommen zwangsausgewiesene Familien: Seit 2015 werden aufgrund der politischen und humanitären Krise Familien kolumbianischer Herkunft aus Venezuela ausgewiesen. Erfolgten die Vertreibungen anfangs unter Zwang, erschienen sie mit Beginn 2016 auf freiwilliger Basis. Letztendlich blieb den Betroffenen aber keine andere Wahl, denn sie erhielten keinen Zugang zu subventionierten Lebensmitteln und wurden zudem von venezolanischen Sicherheitskräften massiv bedroht.

Tagesschau vom 2. Mai 2017 mit Caritas

Hilfsmaßnahmen der Caritas

Die Caritas verfolgt verschiedene Ansätze, um die Menschen in dieser humanitären Krise zu unterstützen. In mehreren Regionen Venezuelas erhalten Säuglinge und Kinder Zusatznahrung, und in der Grenzregion Venezuelas und Kolumbiens werden Hilfsgüter verteilt. Weiter werden psychosoziale und juristische Betreuung angeboten und politische Lobbyarbeit und Aufklärung betrieben.

August 2017