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Lateinamerika

Krisen und Konflikte

Venezuela: Versorgung der Bevölkerung

Einem Jungen wird der Armumfan gemessenRund 25 Prozent der Kinder sind unterernährt.Caritas Venezuela

Seit Jahren steht Venezuela kurz vor dem Bankrott. Misswirtschaft, Korruption, eine marode Industrie und die hohe Staatsverschuldung bei sinkendem Bruttoinlandsprodukt sorgen für eine Hyperinflation und massive Versorgungslücken. Lange Schlangen vor Lebensmittelgeschäften, leere Regale, ein fluktuierender Schwarzmarkt und verbreitete Kriminalität beherrschen das alltägliche Bild.

Der Widerstand der Bevölkerung gegen das zunehmend diktatorische Regime unter dem amtierenden Präsidenten Nicolás Maduro wächst, immer mehr Menschen gehen auf die Straße um zu protestieren. Dabei kommt es zunehmend zu Ausschreitungen und Gewalt. Im April starben mehr als 30 Menschen bei Kundgebungen, 500 wurden verletzt.

Kinder fallen vor Hunger in Ohnmacht

Vor allem Kinder und Kranke leiden unter der Mangelwirtschaft: „Es kostet mittlerweile das Zehnfache eines venezolanischen Mindestlohnes, um sich mit den wichtigsten Lebensmitteln versorgen zu können“, berichtet Janeth Márquez, Direktorin von Caritas Venezuela. „Die Hälfte der Schüler besuchen den Unterricht nicht mehr, weil sie nichts zu essen haben. Lehrer berichten uns, dass schlecht ernährte Kinder im Unterricht vor Hunger in Ohnmacht fallen.“

Zunehmend sucht die Bevölkerung Schutz und Hilfe im benachbarten Kolumbien. Laut kolumbianischer Migrationsbehörde halten sich mehr als 350.000 nicht registrierte Venezolaner in Kolumbien auf, rund 500 Venezolaner sollen täglich ihre Heimat verlassen. Friedrich Kircher, Mitarbeiter der deutschen Caritas, berichtet nach einem Einsatz in der Region, dass selbst hochschwangere Venezolanerinnen über die Grenze flüchten, um in Kolumbien ihre Kinder zu bekommen.

Tagesschau vom 2. Mai 2017 mit Caritas

Caritas versorgt Flüchtlinge und Kinder

Caritas hat in Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingsdienst der Jesuiten im venezolanisch-kolumbianischen Grenzgebiet begonnen, die Flüchtlinge mit lebensnotwendigen Hilfsgütern zu versorgen. Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, unterstützt die Hilfe mit 170.000 Euro. Davon profitieren auch kolumbianische Binnenflüchtlinge.

Caritas Venezuela initiierte in mehreren Regionen des Landes Projekte, bei denen mit Zusatzernährung die Situation für Kinder und Säuglinge verbessert wird. Erhobene Daten zeigen auf, dass rund 25 Prozent der Kinder akut unterernährt sind.

Caritas Venezuela gehört zu den wenigen Organisationen, die im Land noch Hilfe leisten können. Sowohl die Finanzierung als auch die praktische Umsetzung stellen jedoch auch das katholische Hilfswerk zunehmend vor Probleme. Wie Caritas-Direktorin Janeth Márquez berichtet, reichen ihre Möglichkeiten bei weitem nicht aus, um den immer größer werdenden Bedarf zu befriedigen: „Früher kamen zehn Menschen, um medizinische Hilfe bei uns zu erhalten. Heute sind es 5000.”

Spenden mit dem Stichwort „Flüchtlinge Venezuela“ werden erbeten auf:

  • Caritas international, Freiburg, IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02, Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, BIC: BFSWDE33KRL oder online unter: www.caritas-international.de
  • Charity SMS: SMS mit CARITAS an die 8 11 90 senden (5 EUR zzgl. üblicher SMS-Gebühr, davon gehen direkt an Caritas international 4,83 EUR)

Caritas international ist das Hilfswerk der deutschen Caritas und gehört zum weltweiten Netzwerk der Caritas mit 162 nationalen Mitgliedsverbänden.

 

Mai 2017