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Lateinamerika

Gesundheit, Pflege, Alter

Würdiges Leben im Alter

Mehrgenerationenarbeit

Portrait einer älteren Frau aus KubaKuba: Auch alte Menschen sind gestaltende Akteure in einer GesellschaftChristel Wasiek

Mittagstische und gemeinsame Frühstücktreffen, kleine produktive Werkstätten, Wäschereien und Treffpunkte fördern den Austausch und die sozialer Teilhabe älterer Menschen. Der Caritas Kuba geht es vor allem darum, für die Seniorinnen und Senioren einen sozialen Raum für ihre Selbstorganisation zu schaffen.

Die Caritas Kuba fördert den Aufbau von Gruppen in den Gemeinden, Diözesen und Stadtteilen, die generationenübergreifend auf den Austausch zwischen Alt und Jung setzen. In der Arbeit mit Seniorengruppen können sehr alte, kranke und pflegebedürftige Menschen bisher jedoch nur teilweise erreicht werden. Vor allem in den städtischen Zentren Kubas stellen Familienangehörige und Pfarrgemeinden gerade für diese Menschen einen großen Bedarf an qualifizierter Pflege in ihrer häuslichen Umgebung fest.

Die Caritas Kuba hat mittlerweile modellhaft Kurse in häuslicher Pflege durchgeführt. Angehörige und Freiwillige aus der Gemeinde konnten sich so in der Pflege fortbilden und qualifizieren. Seit Anfang der 1990er Jahre verfolgt die Caritas Kuba landesweit ein vielfältiges Programm zugunsten 25.000 Seniorinnen und Senioren, das von mehr als 3.000 Freiwilligen getragen wird. Das nationale Fortbildungsteam begleitet engmaschig die diözesanen Teams, um die fachliche Arbeit der Freiwilligen stetig zu verbessern.

Gegen das Alleinsein

Alte Menschen, die zuvor häufig alleine und sehr isoliert gelebt haben, können im Austausch mit anderen ihr soziales Leben wieder mitgestalten. In Seniorengruppen diskutieren sie, was sie brauchen und wie sie ihre Bedürfnisse gegenüber der Gemeinde und dem Staat formulieren können.

Durch kontinuierliche Treffen und Gesprächskreise gelingt es benachteiligten Senior/innen, die vorher kaum mehr einen sozialen Anschluss an die Gesellschaft hatten, wieder Kontakte zu knüpfen. Der Austausch kann sie befähigen, gemeinsam mit anderen ihren Willen zu artikulieren und ihre Rechte einzufordern. Das ist zugleich die Basis sozialpolitischer Forderungen der Caritas-Organisationen und Seniorenorganisationen nach einer gesetzlichen Verbesserung der Seniorenrechte auf nationaler Ebene.

In der Vergangenheit hat die Caritas Kuba Jahresthemen gesetzt, um die Öffentlichkeit auf das Leben im Alter aufmerksam zu machen: 2008 war die Misshandlung von Seniorinnen und Senioren der Fokus, 2009 stand "gesund leben" im Mittelpunkt. 2010 ging es um die Geschlechterrollen und die Rolle der Generationen. Auf nationaler und diözesaner Ebene hat die Caritas Kuba Workshops durchgeführt und Infomaterial dazu erarbeitet. Zwischen 2011 und 2013 lag einer von mehreren Schwerpunkten auf dem Erhalt der Gesundheit. Auch schaute man, wo in den Gemeinwesen Ressourcen vorhanden waren, die zum Wohle hilfsbedürftiger alter Menschen genutzt werden können. Derzeit werden Ausbildungen zur Gerontologie entwickelt, damit mehr Menschen in Kuba für Berufe und eine altersgerechte Versorgung ausgebildet werden können.

Gut vernetzt Selbstorganisiert gegen Altersarmut

Die Caritas Kuba wirkt über die Landesgrenzen hinaus und hat sich mit anderen Caritas Partnern in Lateinamerika vernetzt. So ist es gelungen, entscheidende Akteure der Zivilgesellschaft zu mobilisieren und auf lateinamerikanischer Ebene Positionen zu erarbeiten. Sie sind in internationale Regierungskonsultationen eingeflossen, zum Beispiel 2012 bei der Regionalkonferenz der Zivilgesellschaft zum 10. Jahrestag der Zweiten UN-Weltversammlung zu Fragen des Alterns. Durch die Teilnahme von alten Menschen aus ganz Lateinamerika wurden die Betroffenen selber Akteure ihrer Anliegen. [In unserem Dossier zum lateinamerikanischen überregionalen Seniorenprogramm haben wir weitere Beispiele der vernetzten Seniorenarbeit aufgearbeitet.]

Derzeit sind Bildungsarbeit und die Weiterbildung wichtige Elemente der Arbeit. Sie betreffen nicht nur die Senioren und Seniorinnen selber, sondern die gesamte Gesellschaft. Bildungsarbeit sensibilisiert und informiert und kann so dazu führen, dass Ideen entwickelt werden, wie  Generationen übergreifend gehandelt werden kann, um ein Leben in Würde gerade auch für die Menschen im Alter gewährleisten zu können. 

Juli 2014