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Afrika

Krisen und Konflikte

Kongo: Hilfe für Opfer der Konflikte

Hilfe für Binnenflüchtlinge in Nord-Kivu

Zivilisten sind die Opfer der kriegerischen Auseinandersetzungen im Osten Kongos. Zivilisten sind die Opfer der kriegerischen Auseinandersetzungen im Osten KongosTaylor Kakala/Caritas Congo

Die anhaltenden Kämpfe zwischen den bewaffneten Gruppen im Osten des Landes haben allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 2015 mehr als eine halbe Million Vertriebene hinterlassen, die Hälfte davon im Nord-Kivu. Damit stieg hier bis Anfang 2016 die Zahl der intern Vertriebenen auf über 1,5 Millionen. Ende 2016 zählt das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen 610.000 Binnenvertriebene in Ostkongo. Die unruhigen Zeiten im November 2016 infolge der auf einen späteren Zeitpunkt verschobenen Präsidentschaftswahlen machen die Lage für die vertriebenen Menschen und die Familien, die sie aufgenommen haben, nicht einfacher. Sie schauen in eine ungewisse Zukunft.

Wer jahrelang in Flüchtlingscamps gelebt hat, ist häufig mittellos. Zudem fehlen soziale Einrichtungen wie Gesundheitsstationen und Schulen oder funktionierende Märkte. Die Infrastruktur wie Straßen und Wasserversorgung sind sehr lückenhaft. Und immer wieder sorgen Attacken von Rebellengruppen dafür, dass Menschen im Ostkongo auf der Flucht sind.

In den Orten Bweru, Kivuye, Mpati, Nyange, Kitso, Bibwe und Kalengera  in der Region Masisi unterstützt Caritas Goma die Rückkehrenden und die aufnehmenden Gemeinden - damit die Rückkehr mit leeren Händen gelingen kann. Auch viele Familien, bei denen die Geflüchteten untergekommen sind, gehören inzwischen zu den Bedürftigen. Besonders Kinder und ältere Menschen sind geschwächt, es fehlt an Nahrung, Geld und Arbeit. Aber auch in den Bergen außerhalb der Stadt sind Tausende Vertriebene in teils selbst erbauten Behelfslagern untergekommen. Provisorischer geht es nicht: Mit Stroh und Plastikplanen schützen sie sich in der Regenzeit vor Nässe und Kälte. 

Multisektoral denken - vielseitig helfen

Neben der Fluchtbewegung gibt es auch eine Bewegung der Rückkehr in Dörfer, die wieder sicherer erscheinen und länger keine Kampfhandlungen erfahren haben. Doch auch die Rückkehrenden stehen vor dem Nichts, sie sind auf externe Unterstützung angewiesen, um ihre Felder wieder bestellen zu können.

Das Wichtigste, was die Menschen kurzfristig brauchen, um nicht an Schwäche und Infektionskrankheiten zu leiden, sind Nahrungsmittel. Perspektivisch brauchen sie eine sichere Ernährungsbasis dort, wo sie leben. Mit einem Ansatz der multisektoralen Ernährungssicherung denkt die Caritas Goma hier langfristig: Sie befähigt die Menschen, auf Gutscheinbasis unmittelbar jene Nahrungsmittel zu erwerben, die sie am dringendsten brauchen. Zudem fördert die Caritas Goma landwirtschaftliche Aktivitäten für die Zukunft, mit Kühen und Ziegen, mit Organisationsentwicklung und Straßenbau.

Die sich formierenden Bauernkooperativen sind ein wichtiger Schritt zu einer produktiven Landwirtschaft, ebenso wie Saatgut und landwirtschaftliche Geräte. Mit 20 Kühen, 80 Ziegen, 5 Stieren und Lehrmaterialien ausgestattet, tragen diese Kooperativen selber dazu bei, die Ernährung wieder zu sichern. Die gemeinsame Planung und geteilte Verantwortung zwischen Rückkehrenden und in denjenigen, die in den Dörfern zurückgebliebenen waren, sind Teil des sozialen Wiederaufbaus. Die rückkehrenden Familien bauen sich dank dieser Unterstützung wieder eine eigene Existenz auf.

Zudem nehmen 5.500 Haushalte an Vorkehrungen zum Erosionsschutz teil. Denn der Boden ist das Kapital für die Zukunft. Die Familien erhalten zu diesem Zweck Obstbäume, Weidegras und Hülsenfruchtbäume, die den Boden stabilisieren, Erosion verhindern und zugleich Futter für die Tiere liefern. Dank dieser Hilfen, zu denen auch eine landwirtschaftliche Beratung gehört, können die Familien eine Lebensgrundlage langfristig wieder aufbauen. Die landwirtschaftlichen Berater und Agronomen nehmen zuvor an einer Weiterbildungsmaßnahme teil.

Aber auch die Straßen, die einen Zugang zu Märkten erst ermöglichen, gehören zu dem weitsichtigen Ansatz, der darauf zielt, die Ernährung von Rückkehrern, Binnenflüchtlingen und der sehr belasteten Aufnahmefamilien sicherzustellen. Zu diesem Zweck werden ein 45 Kilometer langer Straßenabschnitt zwischen Misinga, Bweru und Bibwe sowie zwei auf dieser Strecke liegende Brücken restauriert. "Ohne den Zugang zum Markt kann die Versorgung in den Dörfern nicht funktionieren", erklärt Abbé Oswald Musoni, Direktor der Caritas Goma, bei seinem jüngsten Besuch in Freiburg. Denn ohne funktionierende Wege ist der lebenswichtige Austausch von Waren, landwirtschaftlichen Produkten und auch Dienstleistungen in den abgelegenen Gegenden kaum möglich.

Auch werden mit Unterstützung der Caritas Goma drei Grundschulen und zwei Sekundarschulen am Straßenkreuz Misinga/Bweru/Kivuye wieder aufgebaut und mit Möbeln und Schulmaterial ausgestattet. Viele Kinder sind seit Jahren nicht mehr in die Schule gegangen, für ihre Zukunft und die ihrer Familien ist das soziale Leben und das Lernen in der Schule ein hoffnungsvoller Schritt in den Frieden.

Ein verlässlicher Partner

Wer langfristig in einer Krisenregion den Frieden fördern will, denkt über die reine Nahrungsmittelhilfe hinaus. So unterstützt die Caritas Goma Seminare, in denen Dorfvorsteher und Sozialarbeiter/innen, Lehrer/innen und Gesundheitspersonal in Methoden zur gewaltfreien Konfliktlösung geschult werden. Um für ein friedliches Zusammenleben und gegen Streitigkeiten, die bei der Rückkehr entstehen, gut gewappnet zu sein. Auch wird die Gründung von acht lokalen Friedenskomitees gefördert und 60 Personen in Rechtsberatung sowie in der Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen geschult.

Kongo Nordkivu StraßenbauDie Zufahrt zu entlegenen Dörfern wird wieder geöffnet, damit Personen und Waren zirkulieren können. Bente Stachowske

Im Gegensatz zu vielen ausländischen Organisationen, die die Provinz Nord-Kivu aufgrund der angespannten Lage im Kongo zwischenzeitlich verlassen hatten, ist die lokale Caritas ununterbrochen in Goma präsent. Seit langem gehört sie in der Region zu den wichtigsten und angesehensten humanitären Organisationen - auch dank der kontinuierlichen Unterstützung durch den Deutschen Caritasverband mit seinem Hilfswerk Caritas international. "Das Caritas-Büro mit seinen rund 60 Mitarbeitern blieb zum Glück von den Angriffen verschont", berichtet der Direktor der Caritas in Goma, Abbé Oswald Musoni. Die wichtigste Voraussetzung, um schnelle Hilfe für die Bevölkerung leisten zu können.

Dieses Projekt wird mit Mitteln vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland unterstützt.

Neben der unmittelbaren Hilfe für die Vertriebenen im Kongo unterstützt Caritas international Projekte für ehemalige Kindersoldaten.

Februar 2017