Stuttgart/Freiburg, 5. März 2008.
Deutschland muss sich für ein Ende
der Gewalt und den Schutz der Zivilbevölkerung in Kolumbien stark machen. Dies
fordern die Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen „Brot für die Welt“, Caritas
international, Misereor, und Kolko e.V anlässlich des Gedenktages für die Opfer
politischer Gewalt in Kolumbien am 6. März. Von besonderer Dringlichkeit sei
der Schutz der Menschenrechtsverteidiger, wie sie in den Leitlinien der EU
vorgesehen sind.
Die vier Organisationen beobachten mit großer Sorge die gravierenden
Verletzungen der Menschenrechte in Kolumbien und erinnern an die Opfer ihrer
Partnerorganisationen. „Wir sind sehr besorgt darüber, dass der kolumbianische
Regierungsberater José Obulio Gaviria diesen Akt der Erinnerung diffamiert und
als von der Guerilla initiiert bezeichnet hat. Derartige Verleumdungen
gefährden die Sicherheit der Organisatoren, die vielfach unsere Partner sind,“
erklärt Michael Windfuhr, Menschenrechtsexperte bei „Brot für die Welt“
In den vergangenen 20 Jahren wurden in Kolumbien rund vier Millionen Menschen
gewaltsam vertrieben, in der Mehrheit durch paramilitärische Gruppen. Diese
Gruppen haben allein oder zusammen mit Mitgliedern der Streitkräfte wenigstens
15.000 Kolumbianer gewaltsam verschwinden lassen, sie haben die Leichen in mehr
als 3.000 Massengräbern verscharrt oder sie in die Flüsse geworfen. Mehr als
1.700 Indigene wurden ermordet, 2.550 Gewerkschafter und etwa 5.000 Mitglieder
der Union Patriotica. In der Regel werden die Opfer gefoltert, bevor sie
ermordet werden.
Zwischen 1982 und 2005 haben die Paramilitärs mehr als 3.500 Massaker begangen
und mehr als sechs Millionen Hektar Land geraubt. Seit 2002, nach ihrer
"Demobilisierung", haben sie pro Jahr 600 Menschen ermordet. Es ist
ihnen gelungen, 35 Prozent des Parlamentes unter ihre Kontrolle zu bringen. Von
2002 bis heute haben Mitglieder der kolumbianischen Streitkräfte mehr als 950
Hinrichtungen vorgenommen, in der Mehrheit als im Kampf gefallene Guerilleros,
also als „militärische Erfolge“ präsentiert. Allein im Januar 2008 haben die
Paramilitärs zwei Massaker begangen, neun Menschen gewaltsam verschwinden
lassen, acht Menschen ermordet, und das Heer hat 16 außergerichtliche
Hinrichtungen verübt.
Am 6. März werden in Berlin, Düsseldorf, Köln, Magdeburg München, Tübingen und
Ulm, Mahnwachen für die Opfer der Gewalt in Kolumbien abgehalten. Die
„kolumbianische Bewegung der Opfer von Verbrechen des Staates“ erinnert an
diesem Tag an die Opfer von Vertreibungen, extralegalen Hinrichtungen und
Massakern. Weltweit unterstützen Menschenrechtsorganisationen diesen Gedenktag
mit Mahnwachen und Solidaritätskundgebungen.
Weitere Informationen
finden Sie hier.
Caritas international, Freiburg, Spendenkonto 202 bei der Bank für
Sozialwirtschaft Karlsruhe BLZ 660 205 00 oder
online unter:
www.caritas-international.de
Caritas international ist das Hilfswerk der deutschen Caritas und gehört
zum weltweiten Netzwerk der Caritas mit 162 nationalen Mitgliedsverbänden.
Pressemitteilung
Gedenktag für Opfer politischer Gewalt in Kolumbien
Erschienen am:
05.03.2008
Beschreibung