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Naher Osten

Krisen und Konflikte

Irak: Hilfe für die Opfer des Konflikts

Ein Flüchtlinsgcamp in der Nähe von Falludscha im Irak.Von den Kämpfen Vertriebe leben oft unter schwersten Bedingungen in Lagern in der Nähe ihrer Heimatstadt. Foto: Caritas international

Ein nie enden wollender gewalttätiger und brutaler Krieg - so nehmen viele Iraker die Lage in ihrem Land war. Nach dem Einmarsch der amerikanischen Armee im Jahr 2003 ebbten immer wieder Wellen der Gewalt durch den Irak. Von einem sicheren Alltag, in dem Mütter und Väter ihre Kinder ohne Sorge zur Schule schicken können und die Versorgung der Familie gesichert ist, können die Menschen schon lange nur noch träumen. Mit der Offensive des sogenannten Islamischen Staates (IS) im Frühjahr 2014 hat sich die humanitäre Situation weiter dramatisch verschlechtert. Über 3 Millionen Menschen mussten vor dem IS fliehen und leben seit mehr als drei Jahren als intern Vertriebene in Übergangslösungen. Sowohl die wirtschaftliche Rezession, vor allem in der autonomen Region Kurdistan, als auch die schwierige Lage im gesamten Land, hat die Zahl der Menschen, die auf humanitäre Unterstützung angewiesen sind, auf über 10 Millionen ansteigen lassen. Bereits vor dem Einmarsch der IS Milizen in den Irak hatten 250.000 Flüchtlinge aus dem Nachbarland Syrien im Nordirak Schutz gesucht. Auch sie sind auf humanitäre Unterstützung zum Überleben angewiesen.   

Der Kampf um Falludscha und Mossul

Ein erschöpfter Mann im Flüchtlingscamp Amiryat Al Fallujah im Irak Bildunterschrift Der 34-jährige Thamir floh mit seiner Familie vor den Kämpfen in Fallujah in das nahegelegene Flüchtlingscamp Amiryat Al Fallujah.Caritas international

Zwischen Januar und Juni 2014 gelang es dem IS, die bedeutenden Städte Falludscha und Mosul einzunehmen und zwei Jahre lang Angst und Schrecken innerhalb der Bevölkerung zu verbreiten. Ende Mai 2016 begannen die irakische Armee und ihre Verbündeten mit der Rückeroberung Falludschas. Im Zuge der Kämpfe zwischen Regierungstruppen und IS-Kämpfern flohen im Juni 2016 über 80.000 Menschen aus der Stadt. Sie setzten sich dabei enormen Risiken aus - viele wurden durch Scharfschützen und improvisierte Sprengstofffallen getötet. Nachdem tausende Familien über Monate in der Stadt eingeschlossen waren, wurde Falludscha nach Angaben der irakischen Armee Ende Juni 2016 aus der Kontrolle des IS befreit. Die Infrastruktur der Stadt ist weitestgehend zerstört, zahlreiche vom IS gelegte Minen erschweren die Rückkehr der Menschen in ihre Heimat zusätzlich. "Auf unserer Flucht sind wir zwischen die Fronten geraten und wurden beschossen. Mit letzter Kraft haben wir dieses Lager erreicht. Wir konnten nichts mitnehmen und unterwegs mussten wir hungern!", sagt der 34-jährige Thamir.

Die Offensive 2017 zur Rückeroberung der Stadt Mossul zwang ebenso unzählige Menschen zur Flucht. Doch viele Menschen konnten die Stadt gar nicht verlassen - eine Voraussetzung dafür wären humanitäre Korridore. Die Vergangenheit hat bereits gezeigt, dass die Kämpfer des IS häufig Zivilisten als "menschliche Schutzschilde" benutzen, so war es auch dieses Mal. Und für die Zivilisten, die sich in der Stadt aufhielten, bedeuteten die Angriffe der Anti-IS-Koalition ebenso eine Gefahr für Leib und Leben wie die Übergriffe der Terrormiliz. Bis zu einer Millionen Menschen waren von den Kämpfen um Mosul betroffen.

Gastgemeinden am Rande ihrer Belastbarkeit

Nicht nur die irakischen Vertriebenen und syrische Flüchtlinge kämpfen um ihr Überleben. Die Gastgemeinden in den am schwersten betroffenen Gebieten sind am Rande ihrer Belastbarkeit angelangt. Sie laufen Gefahr, sich nicht mehr eigenständig versorgen zu können und auf externe Unterstützung angewiesen zu sein. Familien, die großzügig ihr Haus und ihre Ressourcen mit schutzbedürftigen Menschen geteilt haben, drohen selbst in die Armut abzustürzen. Begünstigt durch die schlechte wirtschaftliche Lage und den drastischen Abfall des Ölpreises häuft sich die Schuldenlast der Menschen. Nach UN-Angaben haben etliche Haushalte schon vor geraumer Zeit Wertgegenstände und Güter verkaufen müssen, um das Überleben ihrer Familien zu sichern. Kinderarbeit und die Verwundbarkeit von Mädchen und Frauen nimmt zu, Traumatisierung und Gewalt gehören oft zum Alltag. Die sozialen Spannungen in den Gastgemeinden steigen an und die Situation in den Rückkehrgebieten lässt es in der Regel nicht zu, dass Vertriebene gefahrenlos den Weg zurück in ihre Heimat antreten können.

Die Caritas und ihre Partner helfen mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes (AA) und des Bundesministeriums für Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

Dank privater Spenden, Sondermitteln aus vier Diözesen, einer Sonderkollekte der Deutschen Bischofskonferenz und Projektfinanzierungen durch das Auswärtige Amt, das BMZ und das Land Baden-Württemberg kann Caritas international Vertriebene, Flüchtlinge und andere Bedürftige mit akuter Nothilfe sowie beim Wiederaufbau unterstützen. Auch medizinische Unterstützung, Ernährungsprogramme für Kinder, psycho-soziale Betreuung sowie Schulhilfen werden von lokalen Partnerorganisationen angeboten. Zudem engagiert sich die Caritas Irak seit langer Zeit bereits äußerst erfolgreich in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung. Das Förderungsprogramm konnte landesweit Modellcharakter beweisen.

Oktober 2017

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