Ukraine: Jugendsozialarbeit mit Straßenkindern
Mobile Teams und vernetzte Jugendzentren
Seit 2004 unterstützt Caritas international Projekte der Caritas Ukraine in den Großstädten Donetsk, Kiew, Khmelnytsky und Lviv. Hier finden Straßenkinder, deren Zahl aufgrund der verbreiteten Armut weiter angestiegen ist, einen geschützten Raum und pädagogische Hilfe.
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| Der Minibus als mobile Anlaufstelle: Mittagessen für Straßenkinder |
Die Industriestadt Donetsk liegt im Osten der Ukraine. Fünf mal pro Woche wird der Kleinbus der mobilen Straßenkinderstation
an fünf Haltestellen in der Stadt mittags von Kindern und Jugendlichen belagert. Einmal fährt er nachts die Treffpunkte an.
78 Straßenkinder im Alter von zehn bis 17 Jahren betreut die Caritas in der Industriestadt regelmäßig. Die Mitarbeitenden
verteilen Mahlzeiten und gebrauchte Kleidung, ein Arzt versorgt Wunden und gibt Vitaminpräparate aus. Doch der Bus ist mehr
als das: Er ist eine Schnittstelle zwischen der Straße und dem normalen Leben. Das Angebot der Caritas-Mitarbeiter umfasst
neben rechtlichem Beistand auch Freizeitaktivitäten, wie zum Beispiel ein Ferienlager im Sommer.
Viele Straßenkinder leben in der Kanalisation oder in den Kellern heruntergekommener Wohnsiedlungen. Die Heizungsrohre dort
machen die Temperaturen im Winter einigermaßen erträglich. Um Kopf und Schmerzen zu betäuben, schnüffeln viele Kinder und
Jugendliche Klebstoff - eine billige und leicht erhältliche, aber hochgiftige Droge.
Ziel der Straßenkinderprojekte ist es, die Heranwachsenden von der Straße zu holen - und wenn möglich zu vermeiden, dass
sie überhaupt dort landen. Das Konzept der Caritas umfasst dabei ambulante Hilfen in mobilen Anlaufstationen, intensive Betreuung
in Straßenkinderzentren, Unterstützung der Kinder in staatlichen Heimen sowie Beratung und Hilfen für die Familien.
Die Caritas in Donetsk schließt mit jedem Kind einen Sozialvertrag ab. Darin sind die verbindlichen Leistungen und Pflichten
beider Seiten festgelegt. Auf diese Weise lernen die Heranwachsenden, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Zudem erfahren sie, dass sie sich auf die Mobilstation verlassen können. Ein Gefühl, das viele der Kinder bislang kaum kennen gelernt haben. Das schafft Vertrauen und eine Basis für die Zukunft.
Inzwischen sind in der Ukraine fünf mobile Jugendsozialteams unterwegs und betreuen 141 Kinder, die auf der Straße leben.
Betreuung von Heimkindern
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| Viele der Kinder wohnen unter elenden Bedingungen |
Die Caritas in Donetsk unterstützt zudem Straßenkinder, die vom Jugendamt in ein Übergangsheim eingewiesen wurden. Die Betreuung in den staatlichen Heimen ist schlecht. Pädagogische Arbeit findet nicht statt. Doch sind die Heranwachsenden hier immerhin mit dem Notwendigsten versorgt und können die Schule besuchen. Die Mitarbeitenden der Caritas Donetsk kommen zweimal pro Woche für jeweils sieben Stunden ins Heim und beschäftigen sich mit den Kindern: Sie spielen mit ihnen, machen Sport und organisieren Feste. Darüber hinaus bieten sie aber auch die Möglichkeit zu Einzelgesprächen und zur Beschäftigungstherapie. Nicht zuletzt informieren sie, wenn möglich, die Eltern darüber, dass ihr Kind im Heim ist. Und sie begleiten die Kinder bei der Kontaktaufnahme mit ihren Familien, denn häufig ist dies eine seelisch sehr belastende Begegnung.
Anlaufstellen für Kinder aus Krisenfamilien
Der Bedarf ist groß, daher hat die Caritas Ukraine ihr Angebot ausgebaut. Inzwischen werden sieben soziale Zentren für Kinder
und Jugendliche betreut, insbesondere auch für die Kinder von Migrantenfamilien. Die Zentren in Stryy, Boryslav, Drohobych,
Brody, Ivano-Frankivsk, Kolomyja und Novovolynsk tauschen sich untereinander intensiv aus, um die Arbeit zu verbessern. Dabei
geht es auch um die Qualifikation der Mitarbeiter/innen. Die Zentren sind bemüht, eng mit den staatlichen Anlaufstellen und
Kommunen zusammenzuarbeiten und aus gemeinsamen und geteilten Erfahrungen zu lernen.
Foto: Caritas international
Das tägliche Angebot der Zentren umfasst Mahlzeiten, Hausaufgabenbetreuung, Freizeitaktivitäten, aber auch Beratung und rechtlichen Beistand. Das Zentrum steht allen offen. Sowohl Straßenkinder, als auch Kinder, die in Krisenfamilien aufwachsen finden hier ein Stück Sicherheit und Normalität.
Behörden und Polizei greifen heute hart durch. Vagabundierende und obdachlose Kinder und Jugendliche werden in staatliche
Heime zwangseingewiesen. Dadurch hat sich der Fokus der Hilfe geändert. Die Sozialarbeiter(innen) der Caritas betreuen heute
landesweit in sechs Tageszentren 1.450 Kinder und Jugendliche in Krisensituationen, deren Eltern aufgrund von Arbeitslosigkeit
und Krankheit in extremer Armut leben, alkohol- und drogenabhängig sind oder sie bei Großeltern zurück gelassen haben, weil
sie den Lebensunterhalt der Familie als Arbeitsmigranten im Ausland verdienen. Viele der von der Caritas Ukraine in den vergangenen
zehn Jahren betreuten Straßenkinder sind inzwischen erwachsen. 25 bis 30 Prozent von ihnen haben den Sprung geschafft, die
Schule abgeschlossen und eine feste Arbeit gefunden. Die übrigen leben zum Teil von Gelegenheitsarbeiten, oft auch von Kleinkriminalität
und einige von ihnen weiterhin als Obdachlose auf der Straße.
September 2011



