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Lateinamerika

Gesundheit, Pflege, Alter

Würdiges Leben im Alter

Mehrgenerationenarbeit

Portraits zweier SeniorinnenGemeinsam statt allein. Die Teilhabe der älteren Generation ist Caritas ein wichtiges Anliegen.Anna Weise

ie Lebensumstände für die ältere Generation in Kuba sind oft denkbar ungünstig, denn die Sozialpolitik berücksichtigt die Bedürfnisse der Seniorinnen und Senioren kaum. Die Renten sind zu niedrig angesetzt, weshalb sich viele ältere Menschen in einer finanziellen Notlage befinden und kaum für Miete, Essen und Medikamente aufkommen können.

Von den Umbrüchen und Reformen in der Vergangenheit profitieren sie nicht. Im Gegenteil, oft sind sie die Verlierer, weil zum Beispiel nach den neuen gesetzlichen Vorgaben kein Anspruch mehr auf Sozialhilfe besteht. Im ganzen Land fehlen Pflegeeinrichtungen und -personal, die Pflege obliegt zumeist den Familienangehörigen, die oft selbst schon über 60 Jahre alt sind.

Caritas Kuba mit Expertise in der Altenpflege

Seit ihrer Gründung 1991 zählen für die kubanische Caritas ältere Menschen in Notlagen zur primären Zielgruppe. Während die Unterstützung zu Beginn vor allem in Nahrungsmittelhilfen begründet war, hat sich die Organisation über die Jahre hinweg eine Expertise in der Altenpflege und -förderung mit einem professionellen gerontologischen Ansatz erworben. Alle Aktivitäten, die Caritas Kuba mit Hilfe von Caritas international bisher umsetzte, hatten unter anderem zum Ziel, die Öffentlichkeit für die Situation älterer Menschen in Not zu sensibilisieren und auf den wachsenden Bedarf in der Pflege aufmerksam zu machen. Es wurde aber deutlich, dass der Aufbau eines strukturierten und mobilen Pflegesystems notwendig ist. Einerseits, um den Staat modellhaft Alternativen aufzuzeigen, andererseits, um dem konkreten Bedarf in der Pflege gerecht zu werden.

Kurse in häuslicher Pflege und Weiterbildungen für Ältere

Portrait Rentnerin in KubaIn Treffen und Mittagstischen tauschen sich die Seniorinnen und Senioren über ihre Rechte ausChristel Wasiek

Das vorliegende Projekt setzt daher seinen Schwerpunkt in den Aufbau eines ganzheitlichen Pflegesystems für ältere Menschen in Not. Das wichtigste Instrument dabei ist für Caritas die Ausbildung und Weiterbildung von Freiwilligen, Mitarbeitenden entsprechender Institutionen und auch Seniorinnen und Senioren.

Bereits seit mehreren Jahren führt Caritas Kurse in häuslicher Pflege durch. Angehörige und Freiwillige aus der Gemeinde können sich so in der Pflege fortbilden und qualifizieren. Neben pflegerischem Wissen werden Themen vermittelt wie Lebensmittelhygiene, Rechte und Pflichten und Beziehungsarbeit mit Angehörigen.

Das nationale Fortbildungsteam begleitet engmaschig die diözesanen Teams, um die fachliche Arbeit der Freiwilligen stetig zu verbessern.

Die ältere Generation hat aber auch selbst die Möglichkeit, sich weiterzubilden. Das Ziel dabei ist, dass die Seniorinnen und Senioren möglichst lange selbständig leben und ein kleines Einkommen erwirtschaften können. Weiter unterstützt Caritas die Organisation von Mittagstischen, kleinen produktiven Werkstätten und Wäschereien und fördert damit den Austausch und die soziale Teilhabe älterer Menschen. Caritas geht es vor allem darum, für die Seniorinnen und Senioren einen sozialen Raum für ihre Selbstorganisation zu schaffen.

Gegen das Alleinsein

Durch die Treffen und Gesprächskreise gelingt es benachteiligten Seniorinnen und Senioren, die vorher kaum mehr einen sozialen Anschluss an die Gesellschaft hatten, wieder Kontakte zu knüpfen. Der Austausch kann sie befähigen, gemeinsam mit anderen ihren Willen zu artikulieren und ihre Rechte einzufordern. Das ist zugleich die Basis sozialpolitischer Forderungen der Caritas-Organisationen und Seniorenorganisationen nach einer gesetzlichen Verbesserung der Seniorenrechte auf nationaler Ebene.

Juli 2017