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Afrika

Konflikte und Krisen

Mali: Hilfe für Vertriebene

Zwei Frauen tragen einen Sack mit LebensmittelnViele Menschen aus Mali sind bis nach Burkina Faso geflohen. Hier fanden sie Unterstützung von Caritas internationalis. Caritas internationalis

Die Lage in Mali ist auch im Mai 2018 alles andere als sicher. Liste der Massaker an Zivilisten in der südöstlichen Region des Landes weist im April 2018 nach drei Anschlägen 59 Todesopfer auf. Statt gezielter Attacken gegen militärische Einheiten werden nun Massaker an der Bevölkerung mit hohen zivilen Opfern beklagt. Ein Bericht des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen von Oktober 2017 belegt, dass vor allem im Norden mehrere Gruppen von Dschihadisten aktiv sind.

Dennoch: Seit der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im April 2013 beschlossen hatte, eine Stabilisierungsmission in Mali zu stationieren, wendete sich das Blatt. Und seit den Präsidentschaftswahlen sowie seit dem Fiedensabkommen von Juni 2015 spielen immer mehr Geflüchtete mit dem Gedanken der Rückkehr, viele sind bereits aufgebrochen. Nach den neuerlichen Anschlägen im Südosten des Landes ist die Lage allerdings für viele noch zu unsicher.

Was war vorausgegangen?

Seit im April 2012 Tuareg-Rebellen den Norden Malis besetzt und ein unabhängiges Territorium ausgerufen hatten, herrschte in Mali ein Bürgerkrieg. Im März 2012  hatte ein Militärputsch im Süden des Landes die Regierung destabilisiert und den Boden für den Konflikt im Norden bereitet. Insgesamt waren 2012 mehr als 400.000 Menschen vor den Auseinandersetzungen aus dem Norden Malis geflohen. Rund 200.000 Vertriebene haben in Mali Schutz gesucht; 200.000 waren in die angrenzenden Staaten Niger, Mauretanien und Burkina Faso geflüchtet. 

Ende 2017 befanden sich allein in Mali noch über 44.000 Menschen als Flüchtlinge oder intern Vertriebene im eigenen Land. Damit hat sich die Situation entspannt: 2016 waren es noch über 250.000 Menschen, und im Dezember 2015 zählte der UNHCR über 150.000 Flüchtlinge in Mali.

C. Klitsch-Ott, Referatsleiter Afrika von Caritas international zu Besuch in MoptiBesuch in der Gemeinde Sio bei Mopti. Der Gouverneur von Mopti hatte zwei Personenschützer für die Besucher abgestelltCaritas international / Hannes Stegemann

Die Vertriebenen suchen Sicherheit

Nach mehreren Jahren der Ungewissheit suchen die Vertriebenen nach Möglichkeiten der Rückkehr. Allein unmittelbar dem Friedensabkommen vom Juni 2015 waren rund 41.000 Flüchtlinge zurückgekehrt. Viele fanden ihre Häuser völlig zerstört vor, oftmals wurde ihr Besitz geraubt. Arbeit gibt es kaum. In vielen Orten bleibt die Trinkwasserversorgung mangelhaft, die Schulen sind noch geschlossen, die Krankenstationen überlastet oder nicht in Betrieb. Die sozialen staatlichen Einrichtungen liegen nach wie vor lahm oder nehmen ihre Aufgaben nur eingeschränkt wahr. Insofern ist jede Rückkehr auch eine Rückkehr in die Ungewissheit, zumal da sich viele Flüchtlinge in den Flüchtlingscamps vor Überfällen halbwegs sicher fühlten. Je länger eine Person vom Ort ihrer Herkunft fern bleibt, desto schwieriger ist es oft, wieder Anschluss und einen Platz zum leben zu finden.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Ernährungslage in weiten Landesteilen nach wie vor schlecht aussieht. Die Preise für Nahrungsmittel sind in die Höhe geschnellt. Laut dem Hilfswerk der Vereinten Nationen waren 2015 rund 2,5 Millionen Menschen von einer unsicheren Ernährungslage betroffen - insbesondere im Norden. Diese Krise ist keineswegs überwunden.

Transport für RückkehrerTransport für die Rückkehr von VertriebenenCaritas international

Unsicherheit und die Hoffnung, die gleichermaßen mit einer Rückkehr verbunden sind, bestimmen das Schicksal von rund 140.000 Malier/innen, die derzeit noch in den Nachbarländern Niger, in Mauretanien oder Burkina Faso verweilen - sowie weitere 62.000 Menschen, die als intern Vertriebene gelten.

Man muss sich vor Ort gut auskennen, um zur rechten Zeit helfen zu können

Die Partnerorganisationen - die Caritas Mali und die Nichtregierungsorganisation ENDA - konzentrieren sich bei ihrer gemeinsamen Arbeit auf die Stadt Mopti, die sich zum Hauptzufluchtsort für die Flüchtlinge entwickelt hatte. In der Stadt, die an die von Tuaregs und Islamisten besetzte Region im Norden des Landes grenzte, hatten allein 45.000 Vertriebene Zuflucht gesucht - darunter viele Kinder. Die Caritas hatte sich Ende März 2012 aus dem Norden zurückziehen müssen, wo sie in der Pfarrei Gao Lebensmittel und Trinkwasser verteilt hatte. Die Rebellen hatten auf ihrem Vormarsch auch das Caritasbüro in Gao zerstört. Den Caritasmitarbeitenden war die Flucht in letzter Minute gelungen.

Caritas international leistet humanitäre Hilfe dort, wo sie benötigt wird - und wägt zugleich die Risiken ab, die damit verbunden sind. Neben der Caritas Mali ist die Organisation ENDA mit einem landesweiten Sozialprojekt für Straßenkinder ein verlässlicher Partner vor Ort. Die Nichtregierungsorganisation ENDA verfügt in allen Städten über Verbindungsbüros und leistet, gemeinsam mit Caritas international, neben der Soforthilfe für Vertriebene, praktische Hilfe bei der Rückkehr. Dank der flächendeckenden Präsenz von ENDA Mali ist es Caritas international möglich, die Situation gut einzuschätzen und die konkreten Hilfsangebote entsprechend anzupassen.

Mai 2018

Mali Ocha Karte 17. Januar 2013UN-Ocha Karte: Vertriebene in Mali, 17. Januar 2013OCHA