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Asien

Gesundheit, Pflege, Sucht

Afghanistan: Psychosoziale Arbeit

Mit medizinischer Hilfe und Entzugstherapie gegen Drogen

Mann in einer TherapieBei der Therapie im Nejat Zentrum für DrogenkrankeCaritas international

Unter der historischen Pol-i-Sorkh Brücke hatten Drogenabhängige ihren Übernachtungsplatz aufgeschlagen. Durch regelmäßige Besuche und Gespräche konnten Sozialarbeitende des "Nejat Zentrums für drogenkranke Menschen" 45 von ihnen von einem freiwilligen Entzug überzeugen.

Das war 2005. Seither unterstützt Caritas international das Nejat Zentrum. Insbesondere unter den Rückkehrern aus Pakistan finden sich viele obdachlose drogenkranke Menschen. Die Zahl drogenkranker Menschen hat jedoch nicht nur insgesamt zugenommen, sondern vor allem auch der Anteil an abhängigen Frauen und Kindern ist gewachsen. Schätzungsweise 60.000 Kinder unter 15 Jahren konsumieren Drogen. Die Gefahr ist groß, dass die Menschen ohne ausreichende Versorgung den Winter nicht überleben und an Unterkühlung, Mangelernährung oder Krankheit sterben.

Die politisch schwache afghanische Regierung setzt in der Drogenpolitik vor allem auf Schadensbegrenzung, hat aber aufgrund der äußerst angespannten Sicherheitslage kaum Ressourcen für eine effektive Versorgung  der rund 1,5 Millionen drogenkranken Menschen. Mit den Rückkehrenden aus Pakistan und der Flucht vom Land in die Stadt, mit der dortigen Arbeitslosigkeit und fehlenden Perspektiven nimmt der Konsum an Drogen weiter zu.

Mobile und dauerhafte Anlaufstellen

Zwei Personen durchtrennen die Schleife bei der EröffnungEröffnung des Zeltes für das mobile Straßendrogenprogramm im Winter 2016Dr. Hamidi / Nejat Zentrum

Für zahlreiche Menschen in dieser Notlage ist die Arbeit des Nejat Zentrums in Kabul lebensrettend. Die soziale und medizinische Unterstützung der Partner von Caritas international ist so vielseitig, wie die Arbeit mit Drogenkranken nur sein kann: Vertrauen zu den Menschen aufbauen und sie aktiv aufsuchen, Workshops durchführen und über Risiken und Krankheiten aufklären, Selbsthilfetechniken vermitteln, Ansprechpartner sein für familiäre und existenzielle Probleme, medizinische Hilfe und Entzugstherapien vermitteln.

Fünfzehn Tage dauert die Erstbehandlung des Entzugs. Das medizinische Personal ist rund um die Uhr einsatzbereit. Da das Abhängigkeitssyndrom neben körperlichen auch psychische Aspekte umfasst, ist für eine erfolgreiche Behandlung eine Nachbetreuung unverzichtbar. Im Anschluss an den Drogenentzug nehmen die Patienten an einer professionellen psychologischen Beratung teil, die von den Sozialarbeitenden des Zentrums gewährleistet wird.

Mit dem Konsum von Drogen steigt das Risiko, an Hepatitis C, Tuberkulose oder HIV/Aids zu erkranken. Nach Bedarf werden in diesen Fällen Überweisungen ausgeschrieben für eine Drogenentzugstherapie, antiretrovirale Therapie, Hepatitis-Impfung oder Behandlung in einem Tuberkulose-Zentrum.

Notunterkunft und eine warme Mahlzeit

Obdachlose Drogenkranke, die am Behandlungsprogramm teilnehmen, erhalten bei Bedarf warme Decken und Kleidung, oft benötigen sie auch eine Mahlzeit. Dafür errichtete das Nejat Zentrum eine auf den Winter ausgelegte Notunterkunft in einem Gebäude mit einfachen Schlafplätzen und Mahlzeiten für 50 obdachlose Drogenabhängige. Während der kältesten Jahreszeit schützt diese vor dem Kältetod und vor Mangelernährung.

Neben einem mobilen Zelt für männliche Drogenkranke unterhält die Partnerorganisation von Caritas international eine Anlaufstelle für Frauen, die Drogen konsumieren. Ihre gesundheitlichen und sozialen Probleme bedürfen besonderer Beachtung und professioneller Hilfe.

Mehr als nur Entzug

Männer auf Betten im Zentrum für DrogenkrankeSchlafplätze im Zentrum für drogenkranke Menschen.Pieter-Jan de Pue

Die drogenkranken Patienten werden von den Mitarbeitern motiviert, den gemeinsamen Familienbesitz nicht länger für den Erwerb von Drogen zu veräußern. Oft stehen Frauen und Kinder der Betroffenen unter dem Zwang, Geld für den Kauf der Drogen zu verdienen und dafür hart zu arbeiten.

Für den dauerhaften Erfolg einer Drogenentzugstherapie ist die wirtschaftliche und soziale Teilhabe der Patienten am gesellschaftlichen Leben entscheidend. Deshalb werden gemeinsam mit ehemaligen Drogenkranken sowie ihren Familienangehörigen Perspektiven für die Zukunft erarbeitet. Inzwischen arbeiten im Nejat Zentrum auch zwei ehemalige Drogenkranke als freiwillige Helfer.

Januar 2018