Venezuela: Unterstützung für von Unterernährung bedrohte Frauen & Kinder
Venezuela kam durch Misswirtschaft, Korruption und internationale Sanktionen tief in die Krise: Mehr als 7,9 Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner haben schon das Land verlassen. Gleichzeitig nimmt die Binnenvertreibung durch bewaffnete Akteure innerhalb des Landes immer mehr zu.
Derzeit gibt es keine absehbare Perspektive für eine zeitnahe Verbesserung der humanitären Situation in Venezuela, sondern die politische Spannung in der Region – besonders zwischen den USA und der venezolanischen Regierung weisen auf eine sich potenziell eher verschlechternde humanitäre Lage hin.
Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung leben in multidimensionaler Armut, besonders betroffen davon sind Frauen, Kinder, Menschen mit Beeinträchtigung und Ältere. Schwangere, stillende Frauen und besonders junge Kinder sind verstärkt von Mangelernährung und unzureichender medizinischer Versorgung bedroht.
Genau hier setzen Bargeldhilfen an: Auf den US-Wechselkurs angepasst und damit geschützt vor Inflation erhalten junge Familien jeden Monat Gutscheinkarten, welche sie in Lebensmittelgeschäften einlösen können. Das wirkt vielfach: Die Familien kommen in die Ernährungssicherheit, Mangelernährung nimmt ab und die lokalen Märkte erstarken.
Das vorliegende Projekt vereint kurzfristige humanitäre Hilfe beim Risiko für Unterernährung mit einem strategischen Blick auf längerfristige Wirkung und Anschlussfähigkeit. Ziel ist es, die Vulnerabilität gefährdeter Menschen zu reduzieren und ihre Erholung sowie Widerstandsfähigkeit nachhaltig zu stärken. Wo möglich, arbeitet das Projekt mit lokalen Strukturen zusammen.
Dieses Projekt wird teilweise durch das Auswärtige Amt finanziert. Die Hilfen richten sich an Menschen in vorübergehenden Notsituationen.
Mehr über unsere öffentlichen Förderer erfahrenDie Arbeit wirkt
Ständige Evaluierung zeigt positive Ergebnisse: Die Lebensmittelvielfalt und die Anzahl der Mahlzeiten nahmen zu, während sich die Ernährungssituation insgesamt stabilisierte. Bei mangelernährten Kindern stieg die Genesungsrate von etwa 52 Prozent auf bis zu 80 Prozent. Gleichzeitig gingen Rückfälle zurück. Familien erhalten zudem mehr Entscheidungsfreiheit darüber, welche Lebensmittel sie benötigen, während lokale Händler durch höhere Umsätze profitieren.

TENGO zeigt, wie finanzielle Unterstützung mit Ernährungsberatung, therapeutischer Ernährung und medizinischer Begleitung kombiniert werden kann. Der Ansatz leistet akute Hilfe und trägt gleichzeitig zu langfristigen Verbesserungen von Ernährung, Gesundheit und Selbstständigkeit bei.
- Ergebnisse 2020–2025
- 90 US-Dollar monatliche Unterstützung
- 5 Monate Unterstützungsdauer
- 8 Millionen US-Dollar insgesamt verteilt
- 13 Diözesen in 10 Bundesstaaten erreicht
- 17.804 Familien unterstützt
- 68.080 direkte Begünstigte
- 13.600 Kinder von Unterernährung genesen
So funktionieren Bargeldhilfen mit Cash Cards
Die teilnehmenden Familien erhalten eine elektronische TENGO-Karte, die bei ausgewählten lokalen Händlern eingesetzt werden kann. Die Karte wird monatlich mit einem Gegenwert von 90 US-Dollar in lokaler Währung aufgeladen. Dabei wird der Geldwert an die Kursschwankungen des US-Dollars angepasst, um den Geldwert durch Infflation nicht zu verringern.
Die Händler werden sorgfältig ausgewählt und sollen für die Familien gut erreichbar sein. Mit den Gutscheinen können nahrhafte Lebensmittel und wichtige Hygiene- und Alltagsprodukte gekauft werden. Die Menschen können selbstbestimmt je nach Situation entscheiden, was sie gerade brauchen.
TENGO richtet sich insbesondere an durch Mangelernährung gefährdete Haushalte mit Kindern unter fünf Jahren sowie an schwangere und stillende Frauen. Das Projekt unterstützt Familien in den Gebieten Apure, Amazonas, Zulia und Carabobo.
Vor allem Schwangere, stillende Frauen und Kinder unter fünf Jahren sind von Mangelernährung bedroht. Deshalb konzentriert sich das TENGO-Projekt auf diese Menschen. Foto: Caritas Venezuela
Gegen die Hyperinflation
Hyperinflation, die Abhängigkeit vom US-Dollar, dessen Wert seit Monaten sehr schwach ist, sowie ständig wechselnde Wechselkurse und die schwankende Kaufkraft erschweren die Versorgung der Menschen. Der Betrag auf der TENGO-Karte wird deshalb regelmäßig an den Wechselkurs angepasst, um die Auswirkungen der Inflation abzufedern.
Lokale Märkte stärken
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist die Zusammenarbeit mit lokalen Märkten. Ausgewählte Supermärkte, Bäckereien und Lebensmittelstände müssen bestimmte Qualitäts- und Gesundheitsstandards erfüllen und nehmen an Weiterbildungen im Bereich Ernährung teil. So wird neben der Versorgung der Familien auch die lokale Wirtschaft gestärkt.
Monitoring
Durch kontinuierliches Monitoring werden Gesundheitsdaten, die Nutzung der Gutscheine und die gekauften Produkte ausgewertet. Über WhatsApp-Gruppen, Hotlines und lokale Gemeindegruppen können die Teilnehmenden zusätzlich Feedback geben. So kann das Programm laufend angepasst und verbessert werden.
Präsent seit Jahrzehnten
In der Andenregion hat Ci seine Präsenz in Kolumbien bereits in den 1980er Jahren etabliert, zunächst mit humanitärer Hilfe für Opfer von Naturkatastrophen und für Opfer des langjährigen innerstaatlichen bewaffneten Konflikts. Im Laufe der Zeit wurde das Portfolio auf die Unterstützung von Geflüchteten und das Thema Migration, Friedensförderung, Stärkung von Gemeinschaften und Resilienz gegenüber dem Klimawandel ausgeweitet. Strategisch wurde der geografische Wirkungsbereich auf Ecuador und Venezuela erweitert.
Das Team von Ci in Bogotá, bestehend aus drei deutschen Fachkräften und 18 lokalen Mitarbeitenden, pflegt enge Beziehungen zu vielen Partnerorganisationen aus dem Caritasnetzwerk sowie weiteren Organisationen in Kolumbien, Ecuador und Venezuela und stärkt deren Kapazitäten, stellt die Einhaltung internationaler humanitärer Standards sicher und unterstützt Partner über den gesamten Projektzyklus, inklusive Koordination und Advocacy gegenüber Förderern wie ECHO, deutschen Ministerien und der deutschen Botschaft in Bogotá. Auch mit der deutschen Botschaft in Caracas besteht ein reger Austausch. So werden lokale Partner als verlässliche Akteure im humanitären System positioniert und zum Beispiel in hochrangige Treffen eingebunden.
Ganzheitliche Hilfen: TENGO und SAMAN
Die Bargeldhilfen sind eng mit dem Ernährungsprogramm SAMAN verbunden. Im Rahmen dieses Programms werden Familien erfasst, die für Bargeldhilfen infragekommen. Sie erhalten gleichzeitig therapeutische Ernährung, Ernährungsberatung und regelmäßige Gesundheitskontrollen durch Ärztinnen. Auf diese Weise verbindet die Arbeit der Caritas Venezuela kurzfristige Unterstützung mit langfristigen Verbesserungen der Ernährung und Gesundheit.
Durch das Ernährungsprogramm SAMAN können Familien identifiziert werden, die von Bargeldhilfen profitieren würden.Foto: Caritas Venezuela
Caritas Venezuela: ein besonderer Partner
Auch, wenn es in Venezuela besonders viel Hilfsbedarf gibt – die Anzahl an vor Ort tätigen Hilfsorganisationen ist recht gering. Humanitäre Hilfe leisten nur wenige. Die Caritas Venezuela verfügt allerdings über ein besonders enges Netzwerk und ist mit 600 Einrichtungen im ganzen Land vertreten. Die Arbeit der Caritas-Mitarbeitenden wird durch 30.000 Freiwillige unterstützt. Die Menschen in Venezuela vertrauen und schätzen die Hilfen der Caritas, was ihr wiederum den Zugang zu betroffenen Familien ermöglicht.
"Unsere Partnerinnen und Partner der Caritas Venezuela sind tief in den Gemeinden verwurzelt und verfügen über ein einzigartiges Netzwerk im ganzen Land.", betont Jonas Brenner, Koordinator der Hilfen für Caritas international.