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Asien

Flucht und Migration

Bangladesch: Nothilfe für die Rohingya

Alle wichtigen Infos zur Rohingya-Krise

FAQ

Wer sind die Rohingya?

Als Rohingya wird eine Gruppe von mehr als zwei Millionen Menschen bezeichnet, die größtenteils in der Region Rakhine (ehemals Arakan) im Südwesten von Myanmar lebte. Die Eigenbezeichnung lautet Ruāingga. Die Mehrheit der Rohingya bekennt sich zum sunnitischen Islam. Auch in Bangladesch, Pakistan, Saudi-Arabien, Malaysia und Thailand leben Rohingya, jedoch in deutlich kleinerer Anzahl. Viele Rohingya sehen sich selbst als eigenständige ethnisch-religiöse Gruppe. Die staatlichen Stellen in Myanmar erkennen sie jedoch nicht als Minderheit an, sondern sprechen von „Bengalen“. Mit der Bezeichnung geht der Vorwurf einher, die Rohingya seien illegal aus dem benachbarten Bangladesch eingewandert. Der buddhistische Klerus (Sangha) sieht die Rohingya als Gefahr für den Buddhismus an. Rohingya werden nicht als Staatsbürger von Myanmar anerkannt. Seit dem Staatsbürgerschaftsgesetz von 1982 wird ihnen offiziell die myanmarische Staatsbürgerschaft verweigert. Somit sind sie Staatenlose und genießen keinerlei Bürgerrechte.

Warum werden die Rohingya verfolgt?

Antimuslimische Ressentiments sind bei der buddhistischen Mehrheit in Myanmar weit verbreitet. Dass die Rohingya noch immer als illegale Einwanderer betrachtet und nicht als Minderheit anerkannt werden, verstärkt diese Vorurteile weiter. Dabei ist die Verfolgung der Rohingya kein neues Problem: Seit der Unabhängigkeit Myanmars 1948 verließen aufgrund der staatlichen Unterdrückung Hundertausende Rohingya das Land. 1987 flohen rund 220.000, 1991 weitere 250.000 vor der Gewalt der Armee über die Grenze nach Bangladesch. In den letzten Jahren hat sich die Situation aber noch einmal dramatisch verschlechtert. Bei antimuslimischen Unruhen im Jahr 2012 wurden über 200 Menschen getötet und rund 120.000 Rohingya vertrieben. Einige Rohingya gründeten daraufhin 2016 im saudi-arabischen Exil die Gruppe „Araken Rohingya Salvation Army“ (ARSA), die immer wieder Anschläge auf staatliche Behörden durchführt und den Konflikt weiter verschärft. Nach Angriffen der ARSA auf Polizeistationen, bei denen neun Polizisten getötet wurden, ließ das burmesische Militär die Gewalt im August 2017 eskalieren. Menschenrechtsorganisationen berichteten über zahlreiche Hinrichtungen, Massenvergewaltigungen und niedergebrannte Dörfer. Die Vereinten Nationen sprachen von „ethnischen Säuberungen“ durch Myanmars Militär.

Wie geht es mit den Geflohenen weiter?

Anfang Dezember 2017 vereinbarten die Regierungen von Bangladesch und Myanmar ein Abkommen zur Rückführung der vertriebenen Rohingya. Demnach sollten sie innerhalb von zwei Monaten in ihre Heimat zurückkehren können. Die Rohingya fürchten jedoch erneute Übergriffe in ihrer Heimat, die meisten weigern sich daher zurückzukehren. Weil auch die Regierung in Bangladesch kein Interesse daran hat, die Geflüchteten dauerhaft bei sich aufzunehmen, ist unter anderem der Einsatz von Beton und anderen langlebigen Baumaterialien in den Flüchtlingslagern verboten. So soll verhindert werden, dass sich das Flüchtlingslager zu einem permanenten Wohnort entwickelt. Zurzeit gibt es Pläne der Regierung in Bangladesch, insgesamt 100.000 Rohingya auf freiwilliger Basis auf eine bisher unbewohnte Insel 30 Kilometer vor der bangladeschischen Küste zu verschiffen. Die Zukunft der meisten Vertriebenen bleibt jedoch weiter ungewiss.

Was tut die Caritas für die Rohingya?

Die Caritas versorgt aktuell 300.000 Flüchtlinge mit Nahrungsmitteln, Kochutensilien und Hygieneartikeln. Zudem wurden rund 130.000 Rohingya mit Decken und warmer Kleidung ausgestattet. Der jährlich im Sommer zu erwartende Monsun stellt eine große Gefahr für die Menschen in dem weltweit größten Flüchtlingslager dar, denn die wenigsten Unterkünfte waren bisher unwetterfest. Die Caritas hat daher zunächst ein Modelldorf mit 180 wetterfesten Hütten sowie Trinkwasserbrunnen und Sanitäranlagen errichtet. Die UN ist von dem Projekt so überzeugt, dass sie es anderen Organisationen zur Umsetzung empfahl und die Caritas mit dem Bau von weiteren 4.000 Hütten beauftragt hat. Diese Hütten sind mittlerweile ebenfalls fertiggestellt.