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Asien

Flucht und Migration

Bangladesch: Nothilfe für die Rohingya

Verbesserung der Bedingungen im Camp

Der Alltag der Rohingya in Myanmar ist seit Jahrzehnten von Unterdrückung, Ausgrenzung und Gewalt geprägt. Das Land akzeptiert die muslimische Minderheit nicht als eigene Bevölkerungsgruppe. Mit Militäroffensiven und der Aberkennung von Rechten wurden in der Vergangenheit nahezu 1,5 Millionen Rohingya in die Nachbarländer vertrieben.

Bei einem gewaltsamen Angriff durch das Militär Ende August 2017 kam es zu einer Massenflucht. Seither suchten mehr als 700.000 Menschen Schutz im benachbarten Bangladesch, darunter viele Kinder. Die Situation in den Lagern ist prekär. Es gibt nicht genügend Unterkünfte und es fehlen sanitäre Einrichtungen. Viele Menschen sind schwer traumatisiert. "Die Infrastrukturen sind völlig unzureichend, denn das hier ist eine der ärmsten Regionen Bangladeschs", berichtet Peter Seidel, Länderreferent bei Caritas international.

Ein Einblick in die Modellsiedlung.Ein Einblick in die Modellsiedlung.Foto: Ismail Ferdous for Catholic Relief Services

Auch ein Jahr nach der Massenflucht hat sich die Situation für viele Flüchtlinge nicht wesentlich geändert. "Für die meisten Menschen reicht es täglich gerade einmal für das Allernötigste. Es herrscht eine große Perspektivlosigkeit", berichtet Caritas-Helfer Stefan Teplan nach seinem Besuch des Flüchtlingslagers nahe Cox´s Bazar im August 2018.

Vom Modelldorf zur Großbaustelle

Im Flüchtlingslager Cox´s Bazar errichtete Caritas ein Modelldorf mit 182 Bambushütten, Brunnen, Toiletten und Räumen für Kinder. Die UN war von dem Modelldorf so überzeugt, dass sie gemeinsam mit der Regierung die Caritas mit dem Bau von über 4.000 Hütten für rund 20.000 Menschen beauftragt hat.

Rohingya-Camp im RegenWeggeschwemmte Brücken, zerstörte Hütten und kaputte Wege. Der Monsun hat bereits viel Zerstörung hinterlassen. Doch der von der Caritas betreute Camp-Abschnitt ist weitestgehend verschont geblieben - aufgrund gut befestigter Untergründe und haltbarer Bauten. Foto: Ismail Ferdous for Catholic Relief Services

Gerade rechtzeitig, bevor der Monsun einsetzte, war ein Großteil der Hütten fertig. „Es war ein Wettlauf mit der Zeit“, erzählt Peter Seidel. Der Regen verwandelt alljährlich unbefestigtes Land in Bangladesch in Schlammwüsten. Caritas arbeitet mit anderen Organisationen mit Hochdruck daran, gefährdete Hütten und Gelände so gut es geht zu sichern. „Die Anstrengungen, die im Lager unternommen werden, sind beeindruckend“, so Seidel. Beispielsweise sei es in von Caritas-Teams betreuten Gebieten gelungen, mit Drainagen, befestigten Wegen und Verbesserungen der Unterkünfte die Lager deutlich sicherer zu machen. Mittlerweile hat die Regierung auch ihre strengen Bauauflagen gelockert. Bisher durfte kein festes Baumaterial verwendet werden, weil Bangladesch nicht bereit ist, die Flüchtlinge dauerhaft aufzunehmen. Die Erfahrungen des Monsuns führten nun dazu, dass für die Außenwände Wellblech und in den Hütten Betonpfeiler verwendet werden dürfen.

Rund 1.700 Arbeiter sind täglich auf der Baustelle beschäftigt. Die meisten sind selbst Flüchtlinge und können sich durch Cash-for-Work einen kleinen Verdienst erarbeiten. Und das ist dringend notwendig, denn den meisten fehlt Bargeld, um noch andere Dinge zu kaufen als die, die sie bei der Verteilung erhalten.

Caritas international Mitarbeiter Stefan Teplan und Andreas Brender geben einen Einblick:

Hilfe für 400.000 Menschen

Gemeinsam mit Caritas Bangladesch leistet Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, in Kooperation mit der UN Nothilfe für 400.000 Flüchtlinge im Lager. Neben dem Bau von Hütten werden die Menschen mit Grundnahrungsmitteln wie Reis, Hülsenfrüchte, Salz, Zucker und Speiseöl, Koch- und Essgeschirr, Decken und Matratzen, Hygiene- und Babyartikeln versorgt. Weiter werden Gemüse- und Obstpflanzen zur Anlage von Hausgärten und Gaskocher verteilt.

Bessere Hygienebedingungen und psychologische Hilfe  

Durch den Bau von Wasserzuleitungen und Sanitäreinrichtungen und die Abgabe von Desinfektionstabletten werden die hygienischen Bedingungen verbessert und das Risiko von Seuchen verringert. Erwachsene und vor allem Kinder, die durch die Erlebnisse, den Verlust von Angehörigen und die Flucht schwer traumatisiert sind, erhalten eine psychologische Betreuung.

Child friendly spaces In den "child friendly spaces" der Caritas können die Kinder in den für sie altersgerecht eingerichteten Räumen mit ausgebildeten Sozialarbeitern die schlimmen Erlebnisse der Flucht verarbeiten und für einen Moment vergessen. Foto: Ismail Ferdous for Catholic Relief Services

Kinderfreundliche Plätze mit Spiel- und Lernangeboten wurden eingerichtet, und mehr als 100 Caritas-Fachkräfte sind im Einsatz. "Die Menschen haben schreckliche Erfahrungen gemacht, leider auch die Kinder. Wir helfen ihnen, ihr Leid zu lindern", erklärt Mohamed Adadu, Sozialarbeiter der Caritas Bangladesch.

Caritas international wird bei der Hilfe für die Rohingya-Flüchtlinge großzügig vom Erzbistum Freiburg und der Diözese Rottenburg-Stuttgart unterstützt.

September 2018