zurück

Lateinamerika

Krisen und Konflikte

Venezuela: Versorgung der Bevölkerung

Eine Frau und ihre Kinder stehen vor einem leeren KühlschrankLeidy Cordova (37) und ihre Kinder vor dem leeren Kühlschrank. "Wenn meine Kinder zu mir sagen, sie seien hungrig, dann kann ich nur lächeln und muss es ertragen."Caritas

Seit Jahren steht Venezuela kurz vor dem Bankrott. Misswirtschaft, Korruption, eine marode Industrie und die hohe Staatsverschuldung bei sinkendem Bruttoinlandsprodukt sorgen für eine Hyperinflation und massive Versorgungslücken. Lange Schlangen vor Lebensmittelgeschäften, leere Regale, ein fluktuierender Schwarzmarkt und verbreitete Kriminalität beherrschen das alltägliche Bild. Unter der seit Jahren herrschenden Mangelwirtschaft im Land leiden insbesondere Kinder und alte Menschen: "Es kostet mittlerweile das Zehnfache eines venezolanischen Mindestlohnes, um sich mit den wichtigsten Lebensmitteln versorgen zu können", berichtet Janeth Márquez, Direktorin von Caritas Venezuela. "Die Hälfte der Schüler besucht den Unterricht nicht mehr, weil sie nichts zu essen haben. Lehrer berichten uns, dass schlecht ernährte Kinder im Unterricht vor Hunger in Ohnmacht fallen."

Flucht nach Kolumbien

Immer mehr Menschen suchen Schutz und Hilfe im benachbarten Kolumbien. Laut kolumbianischer Migrationsbehörde sind ca. 600.000 Menschen aus Venezuela nach Kolumbien geflohen, die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher sein. Friedrich Kircher, Mitarbeiter der deutschen Caritas, berichtet nach einem Einsatz in der Region, dass selbst hochschwangere Venezolanerinnen über die Grenze flüchten, um in Kolumbien ihre Kinder zu bekommen.

Hinzu kommen zwangsausgewiesene Familien: Seit 2015 werden aufgrund der politischen und humanitären Krise Familien kolumbianischer Herkunft aus Venezuela ausgewiesen - mittlerweile halten sich so gut wie keine kolumbianischen Familien mehr im Nachbarland auf. Entweder wurden sie zwangsausgewiesen oder ihnen wurde der Zugang zu subventionierten Lebensmittel genommen - wodurch die Betroffenen ebenfalls zur Flucht gezwungen waren.

Hilfsmaßnahmen der Caritas

Die Caritas verfolgt verschiedene Ansätze, um die Menschen in dieser humanitären Krise zu unterstützen. In mehreren Regionen Venezuelas erhalten Säuglinge und Kinder Zusatznahrung,  in der Grenzregion Venezuelas und Kolumbiens werden Hilfsgüter, insbesondere Nahrungsmittel, verteilt. Weiter werden psychosoziale und juristische Betreuung angeboten - denn die meisten Flüchtlinge kennen ihre Rechte in Kolumbien nicht.

 

März 2018