Alle Interessierten sind eingeladen ein leuchtendes Zeichen der Hoffnung zu setzen: Bei "Eine Million Sterne" erhellen Kerzen Plätze, Kirchen und Einrichtungen und machen Solidarität sichtbar. Print-Materialien können über das folgende Bestellformular bis zum 14. August vorbestellt werden. Die Auslieferung erfolgt ab Mitte September. Weitere Informationen sind auf der Bestellseite vermerkt.
Im Fokus: "Little Prince" - Zentren in Armenien
2026 stehen die "Little Prince"- Zentren in Armenien im Fokus. In den Zentren erhalten sozial benachteiligte Familien Unterstützung, vor allem alleinerziehende Mütter. Die Kinder bekommen eine warme Mahlzeit, werden pädagogisch und je nach Bedarf auch psychologisch betreut. Auch Kinder mit Behinderungen werden in den Zentren gefördert.
Beim gemeinsamen Spielen lernen Kinder mit und ohne Förderbedarf, aufeinander Rücksicht zu nehmen.Foto: Teresa Wieland/ Caritas international
Zwanzig Kinder lachen, reden und drängeln sich um Anna Serobyan. Die Sozialarbeiterin öffnet vorsichtig ein fest verschnürtes Päckchen, denn alle wollen wissen, ob das rohe Ei darin den Wurf aus dem ersten Stockwerk überlebt hat.
Anna Serobyan arbeitet im "Little Prince"-Zentrum in Wanadsor. Mit 84.000 Einwohnern ist Wanadsor die drittgrößte Stadt Armeniens. Sie liegt im Tal zwischen den schneebedeckten Bergen des Kleinen Kaukasus. Fährt man in die Stadt hinein, sieht man mehrere Kilometer lang graue, verlassene und heruntergekommene Industriegebäude. Die Stadt war einst ein Zentrum für die Textilindustrie. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion blieben Investitionen aus und die Gebäude verfielen. Hier Arbeit zu finden, ist schwierig. Viele Männer verlassen das Land. Oft geht es für mehrere Monate nach Russland. Dort arbeiten sie nachts im Straßenbau und kehren kurzzeitig zurück. Manche kommen gar nicht mehr nach Hause, weil sie in Russland eine neue Familie gründen. Zurück bleiben die Mütter mit den Kindern, ohne finanzielles Auskommen und Perspektiven.
Was ein rohes Ei über Inklusion verrät
Gohar (13, links) und Angelina (14, rechts) mit ihrer Ei-Konstruktion.Foto: Caritas international
Die dreizehnjährige Gohar Avdalyan sitzt mit verbundenen Augen am Tisch. Sie verschränkt demonstrativ die Arme. Heute spielt sie ein Kind mit einem Handicap, in diesem Fall eine Sehbehinderung. Ihre Gruppe hat zwei Aufgaben bekommen: Sie soll ein Ei so sicher mit Papiertellern, Strohhalmen, Luftballons und weiteren Materialien verpacken, dass es nicht zerbricht, wenn es fallen gelassen wird. Gleichzeitig soll die Gruppe jemanden wie Gohar, die nicht sehen kann, bei dieser Bastelaktion integrieren. Es wird gelacht, gestikuliert, geschnitten und geredet. Gohar meldet sich und verlangt, dass sie mit eingebunden wird: "Gebt mir was zu tun!" Sie bekommt Tesafilm, Schere und Pappteller in die Hände, um zu schneiden und zu kleben. Doch immer wieder sitzt sie auf sich gestellt am Tisch. Nach dem Ende der Basteleinheit wird sie in der großen Runde erzählen, dass sie sich allein gefühlt hat und ihr langweilig war, weil sie nichts sehen und nicht mitmachen konnte. Ziel der Übung ist es, dass die Kinder verstehen, dass Menschen mit Behinderungen ebenfalls Teil einer Gruppe sein und nicht ausgegrenzt werden wollen.
80 Prozent Elternarbeit
Mai 2026: Caritas-Führungskräfte aus dem deutschsprachigen Raum lernen im Little Prince Center in Wanadsor die praxisnahe Elternarbeit kennen.Foto: Caritas international
100 bis 120 Kinder werden im "Little Prince"-Zentrum betreut, 22 von ihnen inklusiv. Hier bekommen sozial benachteiligte Familien Unterstützung, vor allem alleinerziehende Mütter. Die Kinder erhalten eine warme Mahlzeit und werden pädagogisch sowie je nach Bedarf auch psychologisch betreut. Jedoch, so erklärt die Sozialarbeiterin Anna Serobyan: "80 Prozent unserer Arbeit beschäftigt sich mit den Eltern, denn nur so kann sich dauerhaft etwas für die Familien ändern. Wenn die Polizei oder Schulen mitbekommen, dass Kinder in schwierigen Verhältnissen leben, schicken sie sie zum "Little Prince"-Zentrum. Das Zentrum hat einen guten Ruf in Wanadsor. Manchmal kommen Mütter oder Großmütter auch von selbst, das sind jedoch eher Ausnahmen. Die Sozialarbeiterinnen organisieren Informationsabende und Kurse für die Eltern. Eine Krankenschwester gibt Unterricht zu gesunder Lebensführung und Hygiene. Außerdem gibt es Beratungsangebote. Viele Menschen wissen nicht, welche Rechte sie haben und dass sie staatliche Hilfe erhalten können. Umgerechnet etwa 50 Euro bekommen arme Familien in Armenien pro Kind und Monat. Schulbücher sind für sie kostenfrei. Außerdem gibt es Ermäßigungen für Gas, Wasser und Strom. Das System zur Beantragung staatlicher Hilfe ist jedoch kompliziert. Wer davon nichts weiß oder damit nicht zurechtkommt, muss auf dringend benötigte Unterstützung verzichten.
Ein Ort für Zukunftschancen
Gohar kommt mehrmals in der Woche in das Zentrum. Hier hat sie Freundinnen gefunden, sie lacht und redet viel. Das rohe Ei hat dieses Mal nicht überlebt. Entscheidend ist aber ohnehin nicht, ob das Ei heil bleibt, sondern dass die Kinder lernen, aufeinander zu achten und gemeinsam Lösungen zu finden. Im "Little Prince"-Zentrum geht es um weit mehr als Betreuung: Es geht darum, Kindern Mut zu machen und ihnen zu zeigen, dass sie gesehen werden.
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Teresa Wieland
Referentin Verbandsinterne Kommunikation