Denn Frauen dürfen keine Unterstützung von Männern annehmen. Deshalb sind Frauen unschätzbar wichtig für unsere Partnerorganisationen. Und obwohl sie immer wieder massiv eingeschränkt werden, finden unsere Partner vor Ort immer wieder Möglichkeiten, Frauen zu beschäftigen, ohne ihre Sicherheit aufs Spiel zu setzen.
Damit auch wir sie nicht gefährden, sind alle Namen unserer Helferinnen geändert und sie sind nicht auf Fotos abgebildet.
Ich heiße Arezo* und arbeite für die Caritas in Afghanistan. Die Einschränkungen für Frauen machen meine Arbeit schwer – ich darf die Menschen nur mit männlicher Begleitung besuchen. Trotzdem liebe ich, was ich tue: In entlegenen Dörfern bringe ich Müttern Lebensmittel, höre ihre Sorgen und versuche, Hoffnung zu schenken. Es schmerzt mich, wie sehr Frauen hier leiden. Aber ich bin stolz, weiterhin helfen zu können. Ich werde nicht aufgeben und weiter für afghanische Frauen kämpfen.
*Name aus Sicherheitsgründen geändert
Bereits vor der Machtübernahme der Taliban kamen auf 10.000 Menschen in Afghanistan nur zweieinhalb Krankenschwestern und ein Arzt. Seitdem die Taliban wieder das Land regieren, haben noch mehr gut qualifizierte medizinische Fachkräfte das Land verlassen. Die Folge: Landesweit entbinden mehr als 40 Prozent der Frauen zu Hause, ohne professionelle Begleitung und medizinische Versorgung.
Die Hebammen-Teams von Terre des Hommes, die von Caritas international unterstützt werden, versuchen diese Lücke zu schließen.
Jetzt für unsere Hilfsprojekte in Afghanistan spenden
Zwar hat die Taliban-Regierung Frauen untersagt, in vielen Berufen zu arbeiten - das gilt auch für weibliche Mitarbeiterinnen von Hilfsorganisationen -, doch der medizinische Sektor ist hiervon ausgenommen. Die Hebammen können also weiterhelfen, wenn auch unter strengeren Auflagen als zuvor. Sie sind oftmals die einzige medizinische Hilfe, die die Frauen, Kinder und werdenden Mütter erhalten.
Hebammen in Kabul: Unverzichtbare Arbeit
Um Mitternacht setzen bei Aalisha Rami* plötzlich Blutungen ein. Wenig später klingelt bei Hasida Khaled* das Telefon. Hasida ist Hebamme in Kabul. Sie greift ihren Koffer und fährt ins nahegelegene Flüchtlingscamp, wo Aalisha mit ihrer Familie lebt. "Mir war sofort klar, dass sie eine Fehlgeburt hat", berichtet Hasida Khaled. Aalisha war im vierten Monat schwanger.
Die Stimmung in der kleinen Lehmhütte, in der die Familie von Patientin Aalisha wohnt, ist sehr angespannt. Die Blutung will nicht stoppen. Doch die Hebamme handelt schnell und professionell. Alle atmen auf, als sich der Zustand der Patientin nach Stunden endlich stabilisiert.
Hebamme Hasida Khaled arbeitet mit weiteren Kolleginnen im Auftrag von Caritas international und Terre des Hommes in einigen informellen Flüchtlingssiedlungen und angrenzenden Wohngebieten Kabuls. Gemeinsam kämpfen sie dafür, dass sich die medizinische Versorgung der Frauen und Kinder verbessert und mehr von ihnen überleben.
Denn die Müttersterblichkeit ist in Afghanistan sehr hoch, selbst in Großstädten wie Kabul. Die letzte nationale Gesundheitserhebung ergab, dass von 100.000 Müttern mehr als 600 bei der Geburt sterben. Doch diese Zahl wurde vor der Machtergreifung der Taliban erhoben. Auch bei Säuglingen ist die Sterblichkeitsrate gemessen an den nachhaltigen Entwicklungszielen der Weltgemeinschaft dramatisch.
Die Hebammen halten Schulungen ab, wo es möglich ist. Sie informieren Mütter, junge Frauen und Mädchen über Hygiene, Ernährung, Schwangerschaft, Gesundheitsförderung, Kinderrechte, Gewaltprävention und psychisches Wohlergehen. Frauen, die sich als freiwillige Gesundheitshelferinnen melden, werden ausgebildet. Sie tragen so das Wissen weiter, übernehmen die Funktion von Botschafterinnen und werden zu Anlaufpunkten in ihren Gemeinschaften.