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Asien

Gesundheit, Pflege, Sucht

Afghanistan: Psychosoziale Arbeit

Gesundheit für Mutter und Kind

Frauen bei der psychosozialen Beratung im SitzkreisDurch Training verfügen Frauen und Mädchen über verbesserte Kenntnisse der Gesundheitspflege.Caritas international

Mehr als 1,5 Millionen Vertriebene und Rückkehrende suchen in Afghanistan Schutz und Heimat und werden doch nicht fündig. Oft lassen sie sich in städtischen Randlagen nieder, so in Kabul. Dort ist die Versorgung aber sehr schlecht. Es gibt nur wenige medizinische Einrichtungen, sauberes Trinkwasser und sanitäre Anlagen sind rar.

Die Mütter- und Kindersterblichkeit ist in Afghanistan eine der höchsten weltweit: Etwa 70 von 1.000 Frauen sterben während der Schwangerschaft oder Geburt, rund 100 von 1.000 Kindern erleben nicht ihren fünften Geburtstag. Die Armut, fehlende Perspektiven und traditionelle Rollenbilder führen zudem oft zu Gewalt in den Familien, insbesondere gegenüber Frauen. So sind gemäß einer Studie von Terre des Hommes im Jahr 2013 hundert Prozent der befragten Frauen verbaler und achtzig Prozent körperlicher Gewalt ausgesetzt.

Versorgung von Schwangeren, Müttern und Kindern

Das Projekt, das Caritas international gemeinsam mit Terre des Hommes in mehreren Distrikten in Kabul durchführt, verfolgt verschiedene Ansätze, mit einem Ziel: die Gesundheit von Müttern und Kindern wesentlich zu verbessern.

So wird der Zugang zur medizinischen Versorgung ausgebaut. Schwangere werden prä- und postnatal durch ausgebildetes Personal betreut, die Mehrheit der Geburten findet unter Anleitung geschulter Geburtshelferinnen statt. Stillberaterinnen regen die Mütter zum Stillen an, Frauen und Kinder werden geimpft und mit Medikamenten, Vitaminpräparaten und Hygieneprodukten, wie Seife und Handtüchern, versorgt. Besonders bedürftige Familien erhalten außerdem Decken, Zeltplanen und Haushaltsgegenstände.

Doch auch das Bewusstsein der Frauen muss geschult werden, damit sie ein besseres Verständnis über ihre eigene psychische und physische Gesundheit und die ihrer Kinder erlangen. Darum finden Veranstaltungen und Informationen zu Hygiene, Stillen, Mutter-Kind-Bindung, Ernährung, Kinderrechte und Kinderschutz statt. Das Personal, die Hebammen und Sozialarbeitenden werden ebenfalls zu den Themen sensibilisiert und ausgebildet. 

Auch gegen die häusliche Gewalt geht das Projekt an. So führen die Sozialarbeitenden Hausbesuche bei bekannten und drohenden Fällen häuslicher Gewalt durch, betreuen die Familien und leiten die Fälle an entsprechende Institutionen weiter.

Erfolg durch ganzheitlichen Ansatz

"Dieser ganzheitliche Ansatz erlaubt es, Vertrauen aufzubauen. Die Kombination aus sozialer Arbeit und medizinischer Betreuung ist ausschlaggebend für den Erfolg", so Heike Wintershoff, Projektkoordinatorin in Kabul. Mit Gewalterfahrungen, die sich in körperlichen und psychischen Leiden niederschlügen, müssten die Mitarbeiterinnen doppelt sensibel umgehen, denn Frauen empfänden oft ein Selbstverschulden, viele seien schwer traumatisiert oder gar selbstmordgefährdet und zudem von der Gesellschaft stigmatisiert.

Verlässliche Partner vor Ort

Seit 2006 kooperiert der Deutsche Caritasverband mit Terre des Hommes und fördert die Mutter-Kind-Arbeit. Aufgrund des kontinuierlichen Anstiegs an Binnenflüchtlingen und Rückkehrern aus Pakistan hat TdH die Arbeit auf zusätzliche Distrikte ausgeweitet. Dabei arbeitet der Partner immer eng mit den Ministerien zusammen, und weil die Beamten genau wissen, was in dem Mutter-Kind-Programm vor Ort geschieht, wächst auch beim Staat das Bewusstsein für das, was den Menschen zum Leben fehlt.

Januar 2018