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Asien

Rechte für Kinder

Bangladesch: Zukunft für Straßenkinder

Netzwerke für Straßenkinder

Eine Frau umringt von Jungen schaut in ein HeftZuwendung an einem sicheren Ort: Straßenkinder-Zentrum in DhakaPhilipp Spalek, Caritas international

Über 40 Prozent der Bevölkerung in Bangladesch müssen mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen, mehr als 30 Prozent leben unterhalb der Armutsgrenze. Die Armen wohnen auf dem Land oder siedeln in den Slums, an den Rändern von Metropolen wie Dhaka oder Rajshahi. Unter ihnen sind viele Kinder, entweder zusammen, mit ihren Familien, oder auf sich alleine gestellt.

Rund ein halbe Million Straßenkinder gibt es in Bangladesch. Mit schwerer körperlicher Arbeit und Bettelei, versuchen sie sich über Wasser zu halten und und ihre Familien zu unterstützen. Ihr Alltag ist mühevoll, die grundlegendsten Dinge fehlen, wie ein Platz zum Schlafen, eine warme Mahlzeit, Wasser zum Waschen und Schulbildung.

Caritas setzt sich in den Städten Dhaka und Rajshahi für die Straßenkinder ein, versorgt sie mit Mahlzeiten, medizinischer Hilfe und einem Dach über dem Kopf. Die Bildung ist für Caritas aber der wichtigste Punkt, denn nur mit Schulbildung eröffnen sich den Kindern Alternativen zum Straßenleben.

Straßenkinder-Zentren in Dhaka

Frau unterrichtet KinderSchreiben, Lesen, Rechnen lernen - jeden Tag ein bisschenPhilipp Spalek, Caritas international

In Dhaka hat Caritas zwei Zentren eröffnet, die für die Kinder wichtige Anlaufpunkte sind. Hier bekommen sie warme Mahlzeiten, können sich waschen, erhalten eine medizinische Erstversorgung und auch einen Platz zum Schlafen. Je rund 45 bis 60 Kinder besuchen täglich eines der Zentren, die sich besonders um die Mittagszeit schnell füllen: „Mittags sind die meisten da, weil sie Hunger haben und wissen, dass es ein gutes Essen bei uns gibt“, erzählt Chotton Obaed, Leiter des Zentrums. Auch die beiden Mädchen Mim und Urmi schätzen die oft einzige warme Mahlzeit des Tages.

Jedes Kind wird registriert und in Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet. „Kein Kind, das zu uns kommt, geht in die reguläre Schule“, so Obaed. Gemeinsam prüft das Team mit den Kindern, wie ein Leben abseits der Straße aussehen könnte. Sind die Kinder kooperativ, bestehen gute Chancen: „Viele können wir in staatliche Schule einschulen, andere erhalten in Zusammenarbeit mit Caritas Bangladesch eine Ausbildung als Handwerker“, erzählt der Leiter stolz. Ein drittes Zentrum wird derzeit gebaut.

Video: Zentrum für Strassenkinder in Dhaka, Caritas international

Ein besseres Leben in Rajshahi

In der viertgrößten Stadt Bangladeschs, in Rajshahi, ist Caritas seit 2013 aktiv. Das Projekt richtet sich an Kinder aus den Slums, an Straßenkinder und die Eltern.

Die Mädchen und Jungen erhalten Unterricht in sogenannten Open Air Schools. Unkonventionell und in der Nähe der Slums lernen die Kinder unter freiem Himmel, wo sich Platz bietet, Lesen, Schreiben und Rechnen, um sie später in das öffentliche Schulsystem integrieren zu können. So wie der zehnjährige Miraj, der den ganzen Tag als Müllsammler und auf dem Gemüsemarkt arbeitet. Um 16 Uhr beginnt für ihn die Schule, in die er sehr gerne gehe, wie er sagt.

Für Jugendliche bietet das Projekt berufliche Ausbildungsgänge und Unterstützung bei der Jobsuche. Arme und berufstätige Familien mit Kinder unter fünf Jahren können Kindertagesstätten nutzen. Die Begleitung der Eltern nimmt in Rajshahi einen wesentlichen Teil der Arbeit von Caritas ein. Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter informieren die Mütter und Väter über Kinderarbeit, Drogenmissbrauch, Schulbildung, Ernährung und Gesundheit, unterstützen sie in ihrem Alltag und helfen bei Problemen. Mit Netzwerkarbeit und Aufklärung sollen die Ernährung und Gesundheit von Straßenkindern verbessert werden.

360° Video: Pause in der Open Air Schule in Rajshahi

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Jörg Schaper, April 2018