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Asien

Rechte für Kinder

Indien: Bildung statt Kinderarbeit

Zwei Kinder und ein Erwachsener auf einer MüllkippeAllein oder mit der Familie: Kinder arbeiten auf Müllkippen, um etwas Geld zu verdienen.Andreas Schwaiger, Caritas Schweiz

Die Zahlen, wie viel Kinder in Indien von Kinderarbeit betroffen sind, schwanken stark je nach Quelle. Die indische Regierung verkündete offiziell, dass die Zahl arbeitender Kinder in den letzten Jahren von 12,6 auf 4,3 Millionen gesunken sei. Gemäß „India Labour Market update“ der Internationalen Arbeitsorganisation ILO vom Juli 2017 gibt es in Indien rund 10,1 Millionen Kinder zwischen fünf und vierzehn Jahren, die arbeiten. Die Dunkelziffer liegt wohl weitaus höher.

Im Bundesstaat Westbengalen gehen 1,2 Millionen Kinder einer Arbeit nach. Meist stammen sie aus ländlichen Regionen Bihars, Assams oder dem benachbarten Nepal. Sie verrichten Hilfsarbeiten in der Landwirtschaft oder in privaten Haushalten, sind Laufburschen, stellen Ziegel und Schotter her oder sammeln und sortieren Abfälle.

Die Gründe für die hohe Anzahl arbeitender Kindern liegen zum einen in der verbreiteten Armut, aber auch in der Gewalt, die in vielen Familien herrscht. Die Kinder flüchten aus ihren Familien und geraten so in die Kinderarbeit. Dass in vielen Schulen nur Bengali unterrichtet wird, viele Kinder aber Nepali sprechen, ist ein weiterer Grund. Rund 800.000 Kinder in Westbengalen brechen die Schule vorzeitig ab oder besuchen sie erst gar nicht.

Kinderrechte in Indien

Kind bearbeitet mit Eisenstange den BodenSchotter aus Flussbetten gewinnen - eine mühevolle Arbeit, der viele Kinder in Westbengalen nachgehen müssen.Caritas international

An Gesetzen zum Verbot von Kinderarbeit mangelt es in Indien nicht. So verbietet schon die indische Verfassung aus dem Jahr 1950 die Beschäftigung von Kindern unter vierzehn Jahren in Minen und Fabriken. In Artikel 45 formuliert sie die Bestimmung der Einführung unentgeltlicher und obligatorischer Schulbildung. Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer gesetzlicher Bestimmungen, die auf das Verbot und die Bekämpfung der Kinderarbeit abzielen: zum Beispiel das Gesetz zur Regulierung und zum Verbot der Kinderarbeit (Child Labor Regulation and Prohibition Act 1986) oder die Nationale Strategie zur Kinderarbeit (National Policy on Child Labor 1987).

Demnach sind legale Voraussetzungen zur Bekämpfung der Kinderarbeit durchaus gegeben.

Dennoch mangelt es an deren Umsetzung. Es bedarf breit angelegter Bewusstseinsbildung, um die Bevölkerung, die betroffenen Familien und Arbeitgeber über das Verbot der Kinderarbeit aufzuklären und für die Rechte der Kinder mobil zu machen.

Februar 2018