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Kholodnytska ,  Anna

Ein Beitrag von Anna Kholodnytska
Leiterin Personal und Staff Care Managerin der Caritas Ukraine
02. März 2026 / Lesedauer: 4 Minuten

Deutschland Projekt

Im Interview spricht die Personalleiterin Anna Kholodnytska über die Mammutaufgabe, den Caritas-Mitarbeiter_innen den Rücken frei zu halten - und ihnen die Arbeit im Krieg zu erleichtern.

Wie bist du zur Rolle als Staff Care Managerin gekommen?

Anna Kholodnytska: Ich leite die Personalabteilung, und zu meinen Aufgaben gehört auch die Mitarbeitendenfürsorge (Staff Care) in unserer Organisation. Als vor vier Jahren der Krieg begann, war ich in Kyjiw und hatte einen ganz anderen Job. Aber dann erfuhr ich, dass die Caritas eine HR-Managerin sucht. Ich wollte unbedingt einen bedeutsamen und hilfreichen Job. Für mich war es also eine natürliche Entscheidung.

Aber mein Hauptgrund, diese Stelle anzunehmen, war die Gemeinschaft. Ich wollte ein System aufbauen, in dem die Menschen nicht nur effektiv arbeiten können, sondern auch das Gefühl haben, etwas Wertvolles zu tun - und wertvoll für die Organisation zu sein. Ich wollte mit den Mitarbeitenden eine richtige Gemeinschaft aufbauen.

Kannst du uns beschreiben, was deine täglichen Aufgaben sind?

Kholodnytska: Ich bin verantwortlich für rund 300 Mitarbeitende im Nationalbüro und etwa 2.000 Personen im Netzwerk. Es ist unsere Arbeit, so vielen Menschen wie möglich zu helfen - darin liegt eine unserer größten Stärken. Gleichzeitig ist das auch eine Herausforderung. Denn wir selbst investieren sehr viel Energie und oft auch persönliche Zeit, weil diese Arbeit uns nicht loslässt. Es ist schwierig, in unserer Lage und mit unserem Herzblut für den Job einen Burnout vorzubeugen. Und in manchen Fällen ist er bereits da.

Wir versuchen aber, Wege zu finden. Wir schulen und sensibilisieren unsere Mitarbeitenden  - etwa darin, wie sie mit belastenden Situationen umgehen, wie sie ihr Team unterstützen und wie sie auch über Abteilungsgrenzen hinweg füreinander da sein können. Sie sollen auch ihren eigenen psychischen Zustand besser verstehen können.

Derzeit erproben wir unterschiedliche Formate: Angebote im Büro, aber auch Online-Formate. Manchmal laden wir externe Expertinnen und Experten ein, die uns zum Beispiel erklären, wie das Gehirn in Stresssituationen funktioniert und wie wir grundlegende Strategien im Alltag anwenden können.

Gleichzeitig bieten wir auch die Möglichkeit, tiefer einzusteigen, für alle, die merken, dass sie einen weitergehenden Unterstützungsbedarf haben.

Gibt es über die regelmäßigen Fortbildungsangebote hinaus auch konkrete Unterstützungsangebote oder individuelle Hilfen?

Kholodnytska: Ja, auf jeden Fall. Die individuelle Hilfe ist ein weiterer sehr wichtiger Baustein - der von unseren Mitarbeitenden sehr geschätzt wird und zu dem wir viel positives Feedback erhalten. Wir bieten die Möglichkeit, psychologische Unterstützung durch qualifizierte Fachkräfte in Anspruch zu nehmen.

Wir haben dafür ein System aufgebaut, das Vertraulichkeit gewährleistet und gleichzeitig alle individuellen Anliegen berücksichtigt. Es gibt eine Art Katalog mit spezialisierten Fachkräften, aus dem die Mitarbeitenden selbst wählen können. Wenn jemand unsicher ist, wer für das jeweilige Anliegen am besten geeignet ist, können wir auch bei der Auswahl unterstützen und eine passende Person vorschlagen.

Der Jahrestag ist bestimmt für deine Arbeit ein besonderes Datum. Wie begleitet ihr ihn?

Kholodnytska: Jedes Jahr habe ich das Gefühl, dass wir im Vorfeld des Jahrestages unbedingt etwas anbieten sollten, weil diese Zeit für viele besonders sensibel ist.

In diesem Jahr hatten wir endlich ausreichend Zeit zur Vorbereitung und haben Gruppensupervisionen für das Nationalbüro sowie Online-Supervisionen für die lokalen Organisationen organisiert. Das fand erst letzte Woche statt, und viele Mitarbeitende haben daran teilgenommen.

Wir mussten die Termine frühzeitig mit den psychologischen Fachkräften abstimmen, da auch sie rund um den Jahrestag stark eingebunden sind, denn viele Organisationen planen in dieser Zeit ähnliche Angebote.

Ich glaube, es war sehr hilfreich, einen geschützten Raum zu schaffen. So konnten die Menschen ihre Erinnerungen teilen und gemeinsam daran arbeiten. Denn im Moment ist es für alle eine schwierige Zeit.

Wie hat sich dieser Winter auf die Mitarbeitenden ausgewirkt? Und habt ihr in dieser besonders schwierigen Zeit spezielle Maßnahmen ergriffen?

Kholodnytska: Wir haben viel an unserer Infrastruktur gearbeitet. Unsere Büros sind jetzt auch für die Kinder unserer Kolleg_innen offen, wenn die Schulen geschlossen sind. Das war für viele eine große Hilfe und beruhigend, zu wissen, dass ihre Kinder bei ihnen sind.

Außerdem haben wir die Möglichkeit zum Homeoffice ausgeweitet, um lange und unsichere Arbeitswege ins Büro zu vermeiden. Wir stellen es unseren Mitarbeiterinnen frei, so zu arbeiten, wie sie möchten. Unser Büro ist dank unserer tollen Gebäudemanager warm. Es gibt warmes Wasser, Verpflegung und Duschen. So können alle wählen: Für manche war es sehr schwierig, ins Büro zu kommen und für manche war es umgekehrt schwierig, zu Hause zu bleiben, zum Beispiel weil es dort zu kalt war.

Für uns ist es wichtig, dass die Menschen gute und angenehme Arbeitsbedingungen haben, damit sie ihre Arbeit produktiv erledigen können.

Was gibt dir persönlich Kraft, diese Arbeit weiterhin zu machen?

Kholodnytska: Ich bin mir nicht sicher, ob ich darauf eine klare Antwort habe. Ich spüre eine große Verantwortung.

Vielleicht liegt es auch in meiner Persönlichkeit: Wenn ich etwas tue, möchte ich irgendwann ein Ergebnis erkennen. Solange der Krieg andauert, sehe ich dieses Ergebnis noch nicht, weil es weitergeht. Vielleicht ist es das, was mir hilft. Ich habe das Gefühl, dass ich die Verantwortung habe, weiterzumachen und mein Bestes zu geben - auch wenn es nicht leicht ist.

Was wünschst du dir im Moment am meisten für deine Kolleginnen und Kollegen? Wahrscheinlich Frieden und ein Ende des Krieges …

Kholodnytska: Natürlich, das wünschen wir uns alle.

Und, dass wir uns immer wieder daran erinnern, welche grundlegenden Werte uns zur Caritas geführt haben. Das kann uns helfen, uns auch in schwierigen Momenten stärker und sinnhafter zu fühlen.

Eines habe ich gelernt: In Krisenzeiten sind es die Werte, die uns zusammenhalten. Nicht Geld, nicht die berufliche Entwicklung. Sondern der Wunsch, Menschen zu helfen, ihre Bedürfnisse zu erkennen. Deshalb würde ich mir wünschen, dass wir an diesen Werten festhalten.

Und ich finde es sehr interessant zu beobachten, dass nicht nur Ukrainerinnen und Ukrainer, sondern viele Menschen diese Werte mit uns teilen. Das gibt uns wirklich Kraft. Das ist sehr wichtig - denn manchmal hilft uns genau dieses Wissen, weiterzumachen.

Das Interview führte Hannah Kikwitzki.

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