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Asien

Krisen und Konflikte

Afghanistan: Hilfe für die konfliktbetroffene Bevölkerung

Perspektiven schaffen

Kinder spielen mit Wasser an einem der neuen BrunnenHunderte Brunnen und Biosandfilter baute Caritas mit Unterstützung von Partnern.Pieter-Jan De Pue

Der Alltag in Afghanistan ist von Armut und Entbehrung geprägt. Seit bald 40 Jahren herrschen kriegerische Auseinandersetzungen, und immer wieder werden dabei Zivilisten getötet oder verletzt. Mehr als 1,5 Millionen Afghaninnen und Afghanen sind Flüchtlinge im eigenen Land und suchen Schutz, aber auch grundlegende Lebensperspektiven. Dazu kommen Hunderttausende Rückkehrer aus Pakistan und dem Iran. Oft lassen sich die Menschen am Rand der Großstädte nieder, wie in Kabul. Dort haben sie allerdings nur einen illegalen Status, und in den Siedlungen fehlen die einfachsten Einrichtungen. Es gibt kaum Zugang zu Trinkwasser und Strom, die medizinische Versorgung ist schlecht. Opfer des Konflikts werden kaum physisch und psychisch versorgt, die Mütter- und Kindersterblichkeit in Afghanistan ist eine der Höchsten weltweit.

Caritas international ist seit über 30 Jahren in Afghanistan aktiv: Anfangs im Kampf gegen Lepra und Tuberkulose, kamen nach und nach Projekte hinzu für eine bessere Ernährung, Gesundheit, sauberes Trinkwasser, Bildung für alle, Schaffung von Einkommensmöglichkeiten und Bau von Straßen und Brücken. Die Projekte sind so vielfältig wie die Bedürfnisse der Menschen vor Ort.

Einkommensmöglichkeiten schaffen

Da es oft an regulären Jobs aber auch an entsprechender beruflicher Ausbildung fehlt, werden in Kabul und Balch Kurse durchgeführt. Damit können diejenigen, die keine Arbeit finden, ein eigenes kleines Geschäft eröffnen, zum Beispiel mit Reparaturen von Mobiltelefonen und Dienstleistungen in den Bereichen Business, Grafik, Bild- und Videobearbeitung, Kosmetik oder Schneiderei.

Unterstützung für Menschen mit Behinderung

Der Anteil von Menschen mit Behinderung ist in Afghanistan sehr hoch. Durch Minen und Schusswaffen kommt es immer wieder zu schwerwiegenden Verletzungen. Meist sind die Opfer der Angriffe auf sich allein gestellt. Doch auch Menschen mit genetisch bedingten Behinderungen werden nicht versorgt, sondern oft isoliert und diskriminiert. In einer Orthopädiewerkstatt in der Provinz Faryab erhalten die Betroffenen Prothesen oder Hilfsmittel, die ihren Alltag erleichtern und ihnen die Möglichkeit geben, ohne größere Einschränkungen am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Außerdem gibt es psychotherapeutische Behandlungen. Zwei Rollstuhl-Basketballteams stärken das Selbstbewusstsein der Spielerinnen und Spieler und ermöglichen ihnen Teilhabe und soziale Kontakte.

Psychosoziale Betreuung

Die traumatischen Erlebnisse durch den Verlust von Angehörigen, die Flucht, Armut und Perspektivenlosigkeit haben sich vielen Menschen in das Gedächtnis gegraben. In verschiedenen Flüchtlingssiedlungen finden daher psychosoziale Maßnahmen statt, darunter Einzelbetreuungen, Gruppengespräche und Trainings zur Selbsthilfe. Die Betroffenen werden angeregt, sich gegenseitig zu unterstützen und Verständnis füreinander aufzubringen. Denn durch die prekäre Situation in den Siedlungen kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen Einheimischen, Flüchtlingen und Rückkehrern.

Ernährungssicherung

Mutter mit Kind im GartenDank eines Workshops und neuem Saatgut wird die Ernte gut.Arifa Armaghan

In 133 Gemeinden unterstützte Caritas die Ernährungssicherung der Menschen, die dabei aktiv eingebunden wurden. Entweder erhielten sie für die Mitarbeit Bargeld (Cash-for-Work) oder Naturalien (Food-for-Work). Um die Situation langfristig zu verbessern, wurden Kurse zu landwirtschaftlichen Anbaumethoden, Hygiene und Ernährung, Tiergesundheit, Weidebewirtschaftung, Milchproduktion, Anlage von Hausgärten und Vermarktungsstrategien für die eigenen Produkte durchgeführt.

Trinkwasser und Hygiene

Mit Unterstützung des Auswärtigen Amts baute Caritas in der Provinz Daikundi hunderte Brunnen und Biosandfilter, durch die natürlich vorkommendes Wasser zu Trinkwasser aufbereitet wird. Mit der Einrichtung von Latrinen und durch Hygienetrainings konnten die Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung massiv verbessert werden.

Gesundheitszentren für Tuberkulose- und Leprakranke

Frau mit Baby in einem WartesaalIm Wartesaal in einer der Caritas-Kliniken.Pieter-Jan De Pue

In schwer zugänglichen Gebieten in den Provinzen Balkh, Daykundi, Bamyan, Wardak, Ghazni und Ghor baute Caritas neun Kliniken für Lepra- und Tuberkulosepatienten. Die Bevölkerung wurde außerdem über die Zusammenhänge von Hygiene und Gesundheit aufgeklärt. Arifa Armaghan und Reza Wifaq, Mitarbeiterinnen des Klinik-Programms, berichten von einem Besuch einer Klinik.

Bildung

Im Distrikt Scharistan und im Bezirk Aschterlay baute Caritas sieben Schulen für Mädchen. Die Schulen sind inzwischen an die lokalen Gemeinden sowie das afghanische Bildungsministerium übergeben worden. Damit ist zumindest ein Tabu aus den Zeiten der Taliban-Herrschaft überwunden; Mädchen und Frauen haben ein Recht auf Bildung.

Straßen- und Brückenbauprojekte

Mit lokalen Partnern in Daykuni wurden kilometerlange Passstraßen neu eingerichtet oder wiederhergestellt. An dem Projekt konnten sich auch Frauen beteiligen. In einer Werkstatt lernten sie Drahtkörbe zu flechten. Die Drahtgeflechte schützen die neuen Straßen wie auch Felder und Bewässerungskanäle vor Erosion.

November 2018

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Afghanistan: Praxis, Grundsätze und Perspektiven

Mit dieser Broschüre zieht Caritas international eine Zwischenbilanz über die seit 1984 andauernde Arbeit des Hilfswerks in Afghanistan.