Temperaturen von bis zu minus 20 Grad und anhaltende russische Angriffe auf die Energieinfrastrukur lassen das Überleben für die Menschen zu einer täglichen Herausforderung werden.
Für junge Mütter wie Maryana bedeutet das eine ständige Belastung. Sie lebt mit ihrem drei Monate alten Baby in einem Hochhaus in der Hauptstadt Kyjiw. Fällt dort der Strom aus, bleibt auch die Heizung kalt. Dann sinkt die Temperatur in der Wohnung auf 13 Grad Celsius – gefährlich für ein kleines Kind.
Der Winter macht alles noch schwerer
Bei bis zu -20 Grad Celsius müssen die Menschen aktuell mit nur wenigen Stunden Strom am Tag auskommen, weil die Energieinfrastruktur im Land aktuell das Ziel schwerer Angriffe ist. Damit ist das Wetter zu einer unmittelbaren Bedrohung für das Leben zehntausender Zivilistinnen und Zivilisten geworden.
In diesem Kriegswinter entscheiden Wärme und Strom immer öfter über Leben. Besonders für geschwächte alte und chronisch kranke Menschen wird die extreme Kälte schnell lebensbedrohlich. An der Front leben Menschen teilweise bei Innenraumtemperaturen von 5 Grad Celsius.
Hannah Kikwitzki, Programmkoordinatorin Ukraine
Gemeinsam stellen wir aktuell für 21.000 besonders gefährdete Menschen Brennstoff und Heizmaterial, winterfeste Haushaltsartikel und Notunterkunftssets zur Reparatur beschädigter Häuser zur Verfügung. Für Evakuierte bereiten wir Hilfspakete vor, die Schlafsäcke, Thermobehälter und warme Kleidung enthalten.
Bei Temperaturen von bis zu minus 30 Grad Celsius ist Winterhilfe überlebensnotwendig.Foto: Caritas Ukraine
Caritas-Helfer_innen unermüdlich im Einsatz
Seit der Verschärfung des Krieges durch den russischen Angriff im Februar 2022 sind hunderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas Tag und Nacht in rund 70 Zentren und in 200 Notunterkünften im Einsatz.
Sie versorgen Kriegsvertriebene, bieten psychosoziale Betreuung, juristische Beratung und helfen bei der Wiederbeschaffung von Dokumenten oder beim Auffinden vermisster Angehöriger.
Doch nicht alle, die Hilfe brauchen, können in die Caritas-Krisenzentren kommen. Vor allem alte und kranke Menschen bleiben oft in ihren Wohnungen, weil sie zu schwach sind, um zu fliehen. Deswegen ist die Caritas auch mit mobilen Teams und zahlreichen Freiwilligen im ganzen Land unterwegs. Nahe der 1200 Kilometer langen Frontlinie besuchen sie hilfsbedürftige Menschen in abgelegenen Ortschaften und bringen ihnen das Nötigste vorbei. Fachkundige Pflegekräfte versorgen alte, kranke und körperlich eingeschränkte Patient_innen.
Die Caritas-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter helfen den Betroffenen auch bei der Reparatur von Häusern und Wohnungen, die durch Bombenangriffe beschädigt wurden. Sie ersetzen Fenster und Türen, und decken Dächer neu, damit die Menschen nicht erfrieren.
Diese Hilfsmaßnahmen richten sich immer an Menschen, die besonders hilfsbedürftig sind und sehr stark unter den Kriegsfolgen leiden. Zu diesen Gruppen gehören insbesondere die vielen Kinder, die im Krieg aufwachsen müssen. Für sie hat die Caritas in ihren Zentren sogenannte Child-Friendly-Spaces eingerichtet. Das sind kindgerecht gestaltete Räume, gefüllt mit Büchern, Spielen und Lernmaterialien. Jeder Child-Friendly-Space wird mit mindestens drei Fachleuten besetzt: Einer Psychologin, einem Sozialarbeiter und einer Pädagogin. Hinzu kommen freiwillige Helferinnen und Helfer. Die Pädagog_innen sind für die Freizeitangebote zuständig. Die Sozialarbeiter_innen unterstützen die Kinder beim Lernen, fördern das soziale Miteinander und schaffen eine positive und freundliche Atmosphäre.
Bisher hat die Caritas mit ihren Hilfen drei Millionen Menschen erreicht, dank Ihrer Hilfe! Um unsere Arbeit für die Menschen in der Ukraine wie geplant fortzusetzen, sind wir dringend auf Ihre Spenden angewiesen. Jeder Beitrag hilft. Vielen Dank!
Caritas-Helfer_innen in ihrem Alltag
Es gibt Momente, in denen es auch für die Caritas-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter nicht einfach ist. Fast jeder und jede von ihnen hat selbst traumatische Erfahrungen gemacht oder Verwandte im Krieg verloren. Hinzu kommt, dass die alltägliche Arbeit durch den Luftalarm erschwert wird. Es muss ein sicherer Ort mit stabilem Internetzugang gesucht werden, um die aktuelle Lage verfolgen zu können. Doch nicht nur die Arbeit wird erschwert, ebenso das Privatleben ist eingeschränkt und oft unbequem - doch Sicherheit geht vor. Im Video gibt Hannah Kikwitzki Einblicke in ihren Alltag als humanitäre Helferin und zeigt die täglichen Herausforderungen im Arbeits- und Privatleben.
Eindrücke unserer Hilfen vor Ort
